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Tössertobelbach

26.05.2026
Das Wasser nutzen, statt rasch abfliessen zu lassen, das gilt insbesondere auch für unsere Bäche, wie den Tössertobelbach. So entsteht entlang des Bachlaufs ein kleines Naturparadies mit blütenreichen Stauden und Weiden, in dem Vögel, Schmetterlinge und andere Insekten einen Lebensraum finden. Und wir eine Oase mit angenehmen Mikroklima. Willkommen im Schwammland in Winterthur!

Das Wasser gurgelt, Bachstelzen wippen mit ihrem Schwanz, Blüten der Stauden und Weidenbäume locken Wildbienen an. Man kann sich kaum mehr vorstellen, dass der Tössertobelbach bis 2025 demselben Schicksal ausgeliefert war wie viele Schweizer Fliessgewässer: Ohne Sträucher oder Stauden und damit ohne Übergang zur landwirtschaftlich genutzten Fläche, floss er mitten durch eine Viehweide, stellenweise durch Betonröhren gezwängt. Zusammen mit dem flachen Bachbett führte das dazu, dass die benachbarte Wiese bei stärkerem Regenfall hin und wieder überschwemmt wurde.

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Noch unbepflanzt, aber doch schon gut erkennbar: Der Tössertobelbach mit seinen vier neuen künstlichen Biberdämmen.

Heute zeigt sich ein völlig anderes Bild: Unter der Leitung des Tiefbauamts wurde der Bach auf dem Abschnitt zwischen der Gütlistrasse und der Rychenbergstrasse in Zusammenarbeit mit Stadtgrün Winterthur, dem Planungsbüro HOLINGER AG und der Naturschutzorganisation Naturnetz aus seinem engen Korsett befreit und ökologisch aufgewertet. Grundeigentümerin sind die Volkart-Stiftung, welche die Idee zur Revitalisierung des Baches hatte, und die Stadt Winterthur.

 Schritt 1: weg mit dem Beton

Die Betonröhren wurden entfernt, damit der Bach ungehindert fliessen kann. Parallel dazu sind vier künstliche Biberdämme erstellt worden – inspiriert vom wohl bekanntesten Wasserbauer der Natur. Diese sogenannten «Beaver Dam Analogs» bremsen den Wasserfluss und geben dem Bach mehr Raum.

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Schritt 2: her mit den Pflanzen

Im Frühling 2026 hat Naturnetz zusammen mit Schülerinnen und -schülern der Kantonsschule Rychenberg den Bach mit 400 Wildstauden bepflanzt und Algen-Teppiche aus den Staubereichen gefischt.

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Kantischülerinnen und -schüler pflanzen im Mai 2026 zusammen mit Naturnetz 400 Stauden rund um den Bachlauf und den vier künstlichen Biberdämmen.

Damit ist der Tössertobelbach heute Teil eines Schwammland-Systems.

Doch was bedeutet «Schwammland» eigentlich? Ziel ist es – genau wie bei der sogenannten Schwammstadt im urbanen Raum – mit einfachen und kostengünstigen Massnahmen, sogenannten «Nature Based Solutions» das Regenwasser vor Ort versickern zu lassen, zu speichern und so den schnellen Oberflächenabfluss zu reduzieren. Das beugt Überschwemmungen vor und entlastet die Kanalisation, bzw. hilft, dass das verdreckte Wasser nicht in benachbarte Gewässer fliesst und diese verschmutzt.

Am Tössertobelbach wird dieses Prinzip konkret erlebbar. Die künstlichen Biberdämme halten das Wasser zurück, sodass es genügend Zeit erhält, um vor Ort zu versickern. Das reichert das Grundwasser an und wirkt wie ein natürlicher Wasserspeicher. In längeren Trockenzeiten wirkt das vom Boden aufgenommene Wasser wie ein Puffer. Die Umgebung profitiert von der gespeicherten Feuchtigkeit, und die Verdunstung sorgt für ein angenehmeres Mikroklima.

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Wo früher der Bach schnurgerade durch die Viehweide floss, ist heute eine kleine Oase für alle geworden, deren neu geschaffene Wasserbecken gegen Überschwemmungen helfen und die Biodiversität fördern.

Schritt 3: Lebensraum für alle

Nun kann man der Natur (fast) freien Lauf lassen. Diese Anpassung an den natürlichen Wasserkreislauf fördert die Biodiversität, und es entstehen wertvolle Lebensräume. Entlang des Bachlaufs wachsen Weiden, die Vögeln, Schmetterlingen und vielen weiteren Insekten Nahrung und Unterschlupf bieten. Das bestehende Gehölz wurde geschnitten, wo notwendig und mit Weiden ergänzt, während invasive Armenische Brombeeren entfernt werden. So wird aus einem vormals monotonen Bachabschnitt Schritt für Schritt ein vielfältiger Lebensraum.

Das Beispiel zeigt: Es lohnt sich, das Schwammprinzip nicht nur für Städte zu denken. Während Siedlungsflächen weniger als zehn Prozent der Schweizer Bodennutzung ausmachen, nehmen die ländlicheren Flächen (Wald und Wiese bis hin zu Alpenregionen) rund drei Viertel der Bodennutzung ein. Sie bieten damit enormes Potenzial für Schwammland-Massnahmen.

Wer sich selbst ein Bild eines gelungenen Schwammland Beispiels machen möchte, sollte dem Tössertobelbach einen Besuch abstatten. Ein kleiner Ausflug in die nähere Umgebung, der viel Freude macht und einen die Natur direkt in der Stadt erleben lässt.

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Wasser speichern und sammeln

Neben der ökologischen Aufwertung des Bachlaufs werden mit der Sanierung der Tössertobelstrasse (separates Projekt) verschiedene Schwammstadt-Massnahmen umgesetzt.

Das Bachwasser, welches bisher direkt über die Mischwasserkanalisation zur Kläranlage geleitet wurde, wird neu über einen Reinigungsschacht in einen Wassertank unter den Parkplätzen des Konservatoriums geführt. Der Tank hat ein Fassungsvermögen von 32 Kubikmetern. Das Wasser aus dem Tank nutzt Stadtgrün Winterthur künftig zur Bewässerung des Rychenbergparks und weiterer Grünanlagen. Dies hilft Trinkwasser zu sparen.

Ist der Wassertank voll, fliesst das überschüssige Bachwasser in eine unterirdische Versickerungsanlage, welche sich unter der Tössertobelstrasse befindet. Die Versickerung des Bachwassers trägt zur Speisung des Grundwassers bei.

Zudem werden mit dem Strassenprojekt insgesamt rund 1300 Quadratmeter Trottoir- und Strassenoberfläche entsiegelt und es soll ein Grünstreifen zwischen Trottoir und Strasse angelegt werden. Die Parkplätze vor dem Konservatorium werden mit speziellen Pflastersteinen ausgestattet, die das Regenwasser versickern und verdunsten lassen.

Zwischen Trottoir und Strasse werden 15 Bäume gepflanzt, die Wasser verdunsten und damit zur Kühlung des Mikroklimas beitragen.

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Weitere Informationen.

Zuständige Stelle

Entwässerung Telefon +41 52 267 54 72

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