Schweizerische Nagelfabrik
Der Nagel ist wohl eines der banalsten Produkte, denkt man. Tatsächlich sind Geschäft und Geschichte der einzigen Nagelfabrik in der Schweiz von ständigen und grundlegenden
Veränderungen geprägt – und das wird auch in Zukunft so sein.
Vor über 130 Jahren wurde die Nagli als «Musterbetrieb» in der damals noch ländlichen Grüze gegründet. In Spitzenzeiten produzierte sie über 1000 Tonnen Nägel und Stifte pro Jahr.
Seither hat sich die Nagli mehr als einmal neu erfunden. Bis in die 1970er-Jahre war das Baugewerbe der grösste Abnehmer von Standardnägeln. Zunehmend wurde die Logistik bedeutender: Für die Herstellung von Holzpaletten sind Nägel unverzichtbar. Während rund zehn Jahren belieferte die Nagli Kunden im In- und Ausland mit diesem Massenprodukt.
Innovationskraft und Spezialisierung
Seither hat sich das Volumen der gelieferten Nägel auf rund 150 Tonnen reduziert, und die Nagli hat sich von einer Massenproduzentin zu einer Anbieterin hochqualitativer und innovativer Speziallösungen entwickelt. Ihre Produkte entsprechen individuellen Kundenanforderungen an Material, Dimensionen, Veredelung sowie Liefer- und Servicequalität. Ein Beispiel dafür sind Lötnägel, hoch präzise, vernickelte oder verzinnte Stifte, die in der Elektronik als mechanische Befestigungs- oder elektrische Verbindungspunkte eingesetzt werden.
Menschlichkeit als Geschäftsprinzip
Nur wenn die Maschine, das Material und der Mensch harmonisch zusammenspielen, entsteht Qualität. Weil dabei der Mensch das zentrale Element ist, wird in der Nagli diesem Aspekt grosse Bedeutung zugemessen. Entlassungen aus wirtschaftlichen Gründen gibt es nicht, 2015 wurde ein zweiwöchiger Vaterschaftsurlaub eingeführt, und 2016 wurde die Wochenarbeitszeit bei vollem Lohnausgleich von 42 auf 34 Stunden reduziert – die Nagli ist vermutlich das erste Schweizer Unternehmen, das die Viertagewoche eingeführt hat.
Einzigartige Inhaberstruktur
Die Aktien der Schweizerischen Nagelfabrik AG gehören einer Genossenschaft, die aus den Angestellten der Nagli besteht. Die Firma hat keinen Chef, die Angestellten treffen notwendige Entscheidungen gemeinsam. Und weil das Grundstück schuldenfrei und der Maschinenpark abgeschrieben ist, besteht kein Zwang zur Rendite. So kann die Genossenschaft langfristig und nachhaltig planen und handeln.
Der Grüze geht’s wie der Nagli
Hier entsteht in den nächsten 10 bis 20 Jahren ein durch- mischtes Wohn-, Produktions- und Arbeitsquartier, geprägt von der Querung Grüze als ÖV-Verkehrsknotenpunkt. Auf das Geschäft der Nagli wird diese Veränderung keinen grossen Einfluss haben, auf die Nachbarschaft aber sicher. Man freut sich jedenfalls auf neue Nachbarinnen und Nachbarn und darauf, dass für den Bau der neuen Gebäude das eine oder andere Kilo Nägel aus der Nagli verbaut wird.
| Naglifabrik Der originale Maschinenpark der Nagli ist ein Industriedenkmal: Die fünf mächtigen Maschinen aus dem vorletzten Jahrhundert werden von einem noch immer funktionierenden Transmissionssystem angetrieben. Der Maschinensaal kann jeden ersten Samstag im Monat besichtigt werden. |




