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Bendicht Fivian

*1940 / Malerei, Zeichnung, Installation, kinetische Konstruktionen und Kunst am Bau

Nach dem Lehrerseminar und vierjähriger Anstellung als Dorfschullehrer liess sich Bendicht Fivan von 1964 bis 1968 an der Kunstgewerbeschule Bern zum Zeichenlehrer ausbilden. Direkt im Anschluss daran unterrichtete er während zwei Jahren an der F+F Schule für experimentelle Gestaltung in Zürich und 1971/72 war er Assistent für Gestaltung an der Architektur-Abteilung der ETH Zürich. In den sechziger Jahren zählte Fivian zu den tonangebenden Berner Künstlern. Als Vertreter der Pop Art schuf er Bildkästen mit übereinandergeschichteten, siebbedruckten Nylonstoffen, welche Idole aus Film, Politik und Musik-Business als flimmernde Mega-Porträts wiedergaben. Unter dem Einfluss der 68er-Bewegung hinterfragte Fivian sein künstlerisches Tun und zerstörte einen Grossteil seines Frühwerkes. Mit dem Umzug nach Winterthur im Jahr 1975 wagte der Künstler einen Neuanfang in Richtung kühl-sachlicher Malerei, um die Trostlosigkeit unspektakulärer Unorte und nebensächliche Zufälligkeiten, sozusagen die Beiläufigkeiten des Lebens, festzuhalten: Bunker, Kiesgruben, einsame Strassenabschnitte, Abfalldeponien, morbides Unterholz und andere Ödheiten, die als Sinnbilder unergründlicher Melancholie gedeutet werden können. 

Im Jahr 2007 präsentierten die oxyd Kunsträume in Wülflingen eine von Tina Grütter kuratierte Retrospektive, in welcher auch Werke aus den achtziger Jahren zu sehen waren, u.a. die grossformatigen Porträts von Aleks Weber und seiner Freundin Gabi S., den Protagonisten der sog. Winterthurer Ereignisse, die später in Erich Schmids Buch «Tod und Verhör» in Winterthur aufgerollt wurden.

Fivian malt seine Bilder sur-le-motif. Die lockere Pinselschrift und die farbig grundierten Leinwände sind typisch für seine Maltechnik und beeinflussen die beinahe greifbare Stimmung in den Bildern, die oft zur Stille oder gar zum Stillstand tendiert. Während seines Berliner Atelierstipendiums vom September 2011 bis Februar 2012 schuf er eine Reihe von Aquarellen und Zeichnungen, die ein Jahr später im Rahmen einer monografischen Ausstellung im Kunstmuseum Winterthur präsentiert wurden. (lac)

Werk(e) im Superblock

Bild Legende:
Stillleben (2007) Technik: Öl auf Baumwolle Masse: 80 x 80 cm Standort: 1.OG Pion 11/13
Seit seinem Umzug nach Winterthur 1975 richtet sich Fivians Motivwahl auf ausgebaggerte Kiesgruben, einsame Strassenabschnitte und scheinbar zufällige «Gegenstandsversammlungen». All seinen Bildern ist das Moment des Beiläufigen gemeinsam. Die geschaute Wirklichkeit gibt der Künstler realistisch wieder, jedoch lässt er erzählerische Details weg, um Oberflächen grosszügig zusammenzufassen. Die Betonung der Volumina wie auch die lakonisch inszenierte Tristesse machen Fivian zu einem Geistesverwandten von Félix Vallotton und Edward Hopper. Das vorliegende Bild zeigt die rätselhafte Ansicht eines Fussbodens, auf dem sich eine Kartonschachtel mit eingestecktem Kuvert und eine weisse, auf einem langen Stab montierte Kugel befinden. Der Titel «Stillleben» ist ironisch aufzufassen. (lac)
Bild Legende:
Glasscheibe, angelehnt (2007) Technik: Öl auf Baumwolle Masse: 160 x 140 cm Standort: EG Pion 11/13
Der Raum ist in Fivians Bildern immer auch Zwischenraum und Leere – eine Art Spalt, der sich zum existentiellen Grund hin öffnet. Auf dem in feinsten weisslichen Farbnuancen gehaltenen Bild "Glasscheibe angelehnt" erkennt man zuerst nichts. Erst auf den zweiten Blick weiss man die durchsichtige Glasscheibe, auf dem sich die Gestalt des Künstlers silhouettenhaft abzeichnet, richtig zu lesen. Das auf der linken Seite des Spiegelbildes mit zahlreichen Gefässen bestückte Möbel erlaubt einem, die Glasscheibe im Atelier des Künstlers zu verorten. Fivian hat im Bild einen flüchtigen Anblick festgehalten hat, wie man ihm vom Vorübergehen an Schaufenstern her kennt. Die verschiedenen Weisstöne sind darüber hinaus ein Verweis auf die Grundierung der noch leeren Leinwand. (lac)

Weitere Informationen.

Zuständige Stelle

Bereich Kultur Telefon +41 52 267 41 03

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