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Kreativer Schreibwettbewerb

Kreativer Schreibwettbewerb 2019

Ihr habt phantasiert und erfunden, geschwitzt und geschrieben: Weit über 100 Texte sind so zusammengekommen, und ihr habt uns viele ganz wundervolle Texte eingeschickt. Wir freuen uns sehr, dass wir so viele von euch motivieren konnten, eine Wettbewerbsgeschichte zu schreiben. Vielen Dank all euch jungen Schreiberinnen und Schreiber für eure tollen Zeilen, Geschichten und Texte!

Und nun ist es soweit: Die 14 Lieblingstexte der Jury stehen fest und werden diese Woche weiter unten in drei Tranchen veröffentlicht. Die Jury, Exploratio und Kinderthur.ch gratulieren euch ganz herzlich zu euren Siegertexten! Wir hoffen, dass euch die Liebe zum Dichten, Erfinden und Schreiben weiterhin begleiten wird.

Die Qualität der Geschichten in ihrer Vielfalt und Originalität hat uns beeindruckt. 40 Texte schafften es in die Vorauswahl, die im Januar 2020 an die Autorenjury - bestehend aus Yusuf Yesilöz, Katja Alves, Marion Eberhard und Viola Rohner - weitergereicht wurden. Wichtig zu wissen: Die Vorjury und die Fachjury sahen jeweils nur die Klassenstufe der Autorin oder des Autors, nicht aber den Namen oder das Geschlecht. Wenn eure Geschichte es in diesem Jahr nicht geschafft hat, heisst das nicht, dass sie nicht gut war! Vielleicht traf sie einfach das Thema nicht genau.

Wir freuen uns sehr, wenn ihr alle auch beim neuen Schreibwettbewerb von Exploratio und Kinderthur.ch wieder mitmacht. Alle Infos dazu gibt es nach den Sommerferien 2020 hier und auf  Kinderthur.ch Und hier nun die erste Tranche der ausgewählten Geschichten.» 

Typ Titel
Datei PDF document Flyer 2019

Die Siegertexte (Teil 3)

"Der Absturz" von Andrin, 5. Kl.

Ding Dong!
Ich schreckte hoch, es ertönte der Lautsprecher, ich hörte eine Frauenstimme.
Die Stimme sagte: LETZTER AUFRUF FÜR DIE FLUGGÄSTE DER MASCHINE A380 NACH TORONTO,
ICH WIEDERHOLE: LETZTER AUFRUF FÜR DIE FLUGGÄSTE DER MASCHINE A380 NACH TORONTO.

Oh nein, ich war auf der Wartebank des Flughafens eingenickt.
Aber wo waren David und Lenny? Vielleicht schon im Flugzeug oder auf der Toilette?
Egal, sie werden schon alleine ins Flugzeug gegangen sein. Ich schnappte mir mein Gepäck und rannte auf das Gate 27 zu. Zur gleichen Zeit sassen David und Lenny auf der Toilette des Flughafens und hatten die Kopfhörer auf. Sie hörten die Aufrufe aus den Lautsprechern nicht. Sie sprinteten auf das Gate 26 zu. Sie hatten keine Zeit mehr, um auf das Ticket zu schauen. Als sie schon im Flugzeug sassen, sagte der Pilot über die Lautsprecher: "Herzlich Willkommen zum Flug nach Dubai. Wir werden etwa in 4 Stunden in Dubai eintreffen." David und Lenny erschraken, als sie das hörten. Sie rissen ihr Gepäck aus der Gepäckablage und rannten auf die noch offene Tür zu. Gerade als sie durch die Tür geschlüpft waren, schloss die Stewardess die Türe. Sie hatten es gerade noch geschafft. Aber jetzt mussten sie so schnell wie möglich in das Flugzeug in dem ich sass. Sie hatten Glück. David und Lenny konnten gerade noch durch das Fingerdock ins Flugzeug. Ein wenig später sassen wir alle drei auf den Sitzen und sie erzählten mir, was in der Zwischenzeit passiert war. Ein wenig später hoben wir ab.

Etwa 4 Stunden später ...

Alle schliefen gemütlich auf ihren Sitzen, bis plötzlich ein fürchterlicher Knall ertönte. Ich schaute mich um, sah aus dem Fenster und sah, dass eines der Triebwerke brannte. Ich hatte keine Zeit mich zu ängstigen, denn die Stimme des Piloten dröhnte ernst aus den Lautsprechern: "Sicherheitspositionen einnehmen!"

Ich und Lenny schauten uns an und befolgten die Befehle. Was David machte, wusste ich zu diesem Zeitpunkt nicht. Er war nicht an seinem Platz.

Der Flieger taumelte in der Luft umher und mir wurde schlecht. Ich hörte einen dumpfen Knall und verlor die Besinnung.

Ich hörte Stimmen. Ich wusste nicht, von wem sie kamen, aber sie riefen meinen Namen. Ich ermahnte meinen Geist, nicht wieder einzuschlafen und öffnete langsam meine Augen. Zuerst sah ich nur die Umrisse eines Menschen. Es war Lenny! Er fragte mich, ob ich wisse, wo David sei. "Nein," stöhnte ich heiser. "Meine Beine tun mir weh", sagte ich zu Lenny. "Kannst du aufstehen?", fragte mich Lenny. "Ja," sagte ich.

Wir humpelten zusammen durch die Trümmer des Flugzeugs. Etwa 30 weitere Überlebende standen am Rande des Trümmerfeldes und wussten nicht, wo sie waren. Ich schaute den leicht verletzten Piloten mit einem fragenden Blick an. Dann fragte er: "Vermisst ihr noch jemanden?" "JA!", rief ich in die Menge.
"Wie sieht er oder sie denn aus?", fragte der Pilot. "Er ist mittel-gross und hat braune Haare." "Dann weiss ich, wo er ist," sagte einer der Überlebenden, "nämlich bei denen, die weitere Überlebende suchen." "Ein Glück, dass er lebt," dachte ich mir. Gerade jetzt trafen David und die anderen ein. Sie hatten etwa sechs weitere Überlebende dabei. Zwei davon waren verletzt. Als die Verletzten versorg waren, ergriff der Pilot das Wort: "Wenn wir überleben wollen, müssen wir hier weg!" "OK!", riefen alle. "Wir packen alle notwendigen Sachen zusammen, dann verschwinden wir im Wald."

Als wir etwa zwei Stunden gewandert sind, machten wir Rast. Ein paar Männer schauten nach einem guten Lagerplatz. Weil die Männer nach einer Stunde immer noch nicht zurückgekommen waren, machten wir uns Sorgen. Plötzlich kam einer der Männer panisch aus dem Wald gerannt und stammelte:
"... Bär ... zerfleischt ... ich ... Glück." Es gab Bären und sie hatten anscheinend Hunger!

Alle schauten sich nervös an. Als es langsam dunkel wurde, fragten sich alle, wo wir schlafen sollten. Einer hatte die Idee, wieder zurück zum Flugzeug zu gehen, aber niemand wollte so weit zurücklaufen. Der Pilot meinte, wir sollten doch auf den Bäumen schlafen. Alle fanden dies den besten Vorschlag und gleichzeitig die sicherste Möglichkeit.

Am nächsten Morgen erwachte ich als einer der Ersten und weckte David und Lenny. Sie waren auch sofort wach. Wir beschlossen, uns etwas umzusehen. Als wir auf einer Lichtung ankamen, hörte ich plötzlich einen Motor. "Habt ihr das auch gehört?", fragte ich. "Ja," sagte David. Und tatsächlich, wir hatten uns nicht getäuscht, es war wirklich ein Suchhelikopter. Wir winkten, was das Zeug hält. Und siehe da, der Helikopter landete.! "Yeah, wir sind gerettet!" Zwei Ärzte stiegen aus und fragten uns, wer wir waren und warum wir hier waren. Wir brachten sie zu den anderen und erzählten ihnen erleichtert die ganze Geschichte.

„Die geheimnisvolle Kiste“ von Tim, 6. Kl.

 Mo und Luisa standen im muffigen Estrich ihres Hauses. «Wo sollen wir nur anfangen?», fragte Mo seine kleine Schwester. «Das weiss ich doch nicht, hier oben ist es so dunkel, da sieht man seine Hand vor den Augen kaum. Räum du doch schon mal auf, während ich die Fensterläden öffne.» «Nichts da, es war deine Idee, die Schule zu schwänzen, um an dieses Skateturnier zu gehen!» Ja, genau so war es gewesen. Mo liebte es zu skaten. Er hatte schon viele Turniere gewonnen. Sein Trophäenschrank quoll nur so über von Pokalen und Medaillen wie zum Beispiel der Pokal für den besten Trick in der Steilwand oder die Medaille für das nur alle 10 Jahre stattfindende Skaterennen. Da war es doch selbstverständlich, dass er an das Turnier gehen wollte, welches er als Einziges noch nicht gewonnen hatte. Seine Schwester, sein grösster Fan, und er hatten sich aus der Schule geschlichen und waren gerade noch rechtzeitig beim Turnier angekommen. Er hatte tatsächlich gewonnen. Seine Mutter war nicht gerade begeistert, dass er die Schule für dieses Turnier sausen gelassen hatte. Die Strafe: Sie mussten den Estrich aufräumen.

Und so standen die Zwei nun auf dem Estrich. «Na gut, ich schlage vor, wir beginnen ganz hinten und arbeiten uns nach vorne.» «Gute Idee», stimmte seine Schwester ihm zu. Und so stiegen sie über kaputte Tische, zersprungene Spiegel und anderes nutzloses Gerümpel.

«Aua!», rief Luisa auf einmal. Mo drehte sich verwundert um und sah seine Schwester vor ihm auf dem Boden liegen. «Ich bin gestolpert!», stöhnte sie. «Über was denn?», fragte Mo. «Über diese blöde Truhe!», entgegnete Luisa ärgerlich. «Was wohl darin ist?» Mo musterte die Kiste misstrauisch. Die Kiste war aus massivem Holz und bestimmt einmal schön gewesen, aber die Jahre hatten ihr zugesetzt. Der Verschluss war verrostet, nur die orientalischen Schnitzereien liessen darauf schliessen, dass sie einmal schön gewesen sein musste. «Die hatte bestimmt auch schon bessere Zeiten gesehen», bemerkte Luisa. «Komm, machen wir sie auf!» Mo und Luisa packten je eine Seite der Truhe und hoben den Deckel an. Die Truhe öffnete sich mit einem lauten Knarren. «Was ist das?», fragte Luisa ihren grossen Bruder. «Keine Ahnung», erwiderte Mo. Auf dem Boden der Truhe lag ein grosses Bündel aus rotem und gelbem Stoff. Mo hob das Bündel aus der Truhe und breitete es mit Hilfe seiner Schwester auf dem Boden aus. Es war ein alter verstaubter Teppich. «Der sieht genauso alt aus wie die Kiste», lachte Luisa beinahe etwas enttäuscht. «Ja, genau, bestimmt kann er noch fliegen!», witzelte Mo mit einem breiten Grinsen. «Komm, fangen wir mit dem Aufräumen an, sonst müssen wir hier noch übernachten.»

 Nach Stunden des Aufräumens holte Mo seinen CD-Player und legte eine CD ein. «So macht es doch schon viel mehr Spass», sagte Luisa erfreut.  «Persinable kuntuno», erklang der Refrain aus dem CD-Player. «Von wo hast du diese CD? Die habe ich noch nie gehört.» «Ach, die habe ich gerade neben der Kiste gefunden.» Kaum hatte er dies ausgesprochen, rumpelte es im hinteren Teil des Estrichs. «Was war das?», fragte Luisa ängstlich. «Ich schau mal nach.» Mo stieg mutig über einen Tisch und verschwand im hinteren Teil des Estrichs.

«Wow, das musst du dir ansehen, das glaubt mir keine Sau!» Als Luisa über den Tisch zu Mo kletterte, verschlug es ihr die Sprache. Der alte Teppich schwebte einen halben Meter über dem Boden. «Kneif mich mal», flüsterte Luisa Mo zu. «Aua, nicht so doll!»

«Nein, ihr träumt nicht!», sagte eine Stimme, die von überall her zu kommen schien. Doch Mo war sich sicher, dass sie vom Teppich herkommen musste. «Wer bist du?», fragte Luisa mit mehr Neugierde als Furcht. «Ich bin der Teppich aus der Schatzkammer des Sultans von Konstantinopel! Ich wurde einst von Räubern geraubt und von ihnen verschleppt.» «Und wie kommst du bitte schön auf unseren Estrich?» Mo machte ein fragendes Gesicht. «Das weiss ich leider selbst nicht», beantwortete der Teppich Mo’s Frage. «Vielleicht haben die Räuber mich einst an eure Familie verkauft. Ich kann nämlich nur reden und fliegen, wenn jemand die magischen zwei Worte spricht. Ansonsten liege ich nur herum und bin ein ganz normaler Teppich.» «Und was machen wir jetzt mit dir?» Luisa runzelte die Stirn. «Ich brauche eure Hilfe!», wimmerte der Teppich. «Als ich gestohlen wurde, haben die Räuber auch die Krone des Sultans entwendet und solange die Krone nicht auf ihrem Platz steht, so lange wird es im Land des Sultans keinen Frieden geben. Die Schatzkammer der Räuber kann nur mit einem Spruch geöffnet werden, den nur die Räuber kennen.» «Können wir dir nicht helfen?», fragte Luisa, die immer hilfsbereit war. «Dann springt auf mich drauf, wir dürfen keine Zeit mehr verlieren!» Unsicher kletterten Mo und Luisa auf den Teppich. «Wo ist denn diese Schatzkammer?», fragte Luisa. «Die steht in einem geheimen Wald in Konstantinopel.» «Und wie kommen wir auf die Schnelle nach Konstantinopel?» «Das ist kein Problem, haltet euch einfach ganz fest an meinen Fransen fest.» Die Kinder befolgten den Rat des Teppichs. Dieser stieg langsam höher, bis er schliesslich durch das kleine Dachfenster nach draussen flog. Mo und Luisa mussten sich an den Fransen richtig festklammern, ansonsten hätten die Windböen sie hinunter geblasen. Der Teppich flog immer schneller und höher. Irgendwann wagte Mo einen Blick nach unten. Weit, weit unter ihm schlugen die Wellen an die Felsen einer Küste, die Mo gänzlich unbekannt war. Jetzt schaute auch Luisa nach unten.

Beim Anblick der tief unter ihnen liegenden Küste klammerte sie sich noch fester an die Fransen. «Schaut bloss nicht nach unten!», warnte sie der Teppich, «sonst wird euch noch schwindlig und ihr fällt hinunter.» Mo und Luisa befolgten den Rat des Teppichs nur zu gerne und schlossen die Augen. Kurze Zeit später wurde der Teppich allmählich langsamer und flog in einer Spirale nach unten.

 Mo und Luisa öffneten die Augen und sahen sich um. Es duftete nach Harz und feuchtem Moos. Um sie herum standen so grosse Bäume, dass kaum Sonnenlicht durch die Bäume dringen konnte. Auf einer Lichtung, etwa hundert Meter vor ihnen, lag ein grosser Stein.

«Wow!», staunte Mo noch ganz durcheinander vom Flug. «Kommt Kinder», sagte der Teppich und flog nur wenige Zentimeter über dem Boden auf die Lichtung zu. Mo und Luisa folgten ihrem neuen Freund ohne zu zögern. «Und nun?», fragte Luisa in die Runde. «Was ist nun das Zauberwort?» «Ganz einfach!» Mo stellte sich ganz selbstbewusst vor den Stein und sprach mehr aus Witz als Ernst: «Sesam öffne dich!» Der Stein schob sich mit einem Knirschen zur Seite und gab eine Höhle frei. Mo und Luisa staunten nicht schlecht. Der Teppich flog übermütig einen Salto. «Juchuuuu, wir haben es geschafft!», rief Mo glücklich. «Nein nicht ganz», holte Luisa ihren Bruder auf den Boden zurück. «Zuerst müssen wir die Krone finden.» «Ach was, das ist doch ein Kinderspiel!» Mo lief mit so einer Überzeugungskraft vorweg, dass Luisa und der Teppich ohne zu zögern folgten. Erst jetzt sahen sie, wie gross die Höhle war. Überall zweigten kleine Stollen rechts und links in die Tiefe ab. «Und wo ist jetzt die Kro.....?» Der Satz blieb Mo im Mund stecken. Gerade hatten sie einen grösseren Raum erreicht, in dem sich haufenweise Goldmünzen und andere wertvolle Dinge türmten. Mo und Luisa konnten sich gar nicht genug satt sehen. In der Mitte des Raumes stand ein besonders grosser Haufen, auf dessen Spitze die Krone des Sultans thronte. Sie bestand aus purem Gold und war mit allen erdenklichen Perlen und Edelsteinen besetzt. Plötzlich hörten sie schwere Schritte aus dem Gang, aus dem sie gerade gekommen waren. «Schnell, hinter die Truhe da drüben!» Der Teppich klang sehr besorgt. Mo und Luisa legten sich hinter die Truhe. Die Schritte kamen immer näher. Ein Schatten zeichnete sich an der Höhlenwand ab. Er war gross und Luisa konnte an der Seite des Schattens einen Krummsäbel erkennen. Auch Mo musste den Säbel entdeckt haben, denn Luisa sah die weitaufgerissenen Augen von Mo. Der Schatten betrat nun die Höhle und breitete die Arme aus. «Alles meins!», rief der Schatten mit einer furchteinflössenden Stimme. Die drei Freunde wagten nicht zu atmen.

 «Das muss einer der Räuber sein», raunte der Teppich. «Ich dachte, die seien alle schon längst gestorben.» In Luisa machte sich langsam Panik breit. «Anscheinend hat einer überlebt!», stellte Mo nüchtern fest. «Wir müssen hier schnellstens raus», flüsterte Luisa.

 «Nicht ohne die Krone», flüsterte der Teppich empört. «Die gehörte einst dem Sultan von Konstantinopel und überhaupt......!» «Psssst, nicht so laut, der Räuber hört dich sonst noch!» Doch es war bereits zu spät, das unrasierte Gesicht des Räubers triumphierte bereits über ihnen. «Ach, wen haben wir denn da? Der fliegende Teppich des Kaisers und zwei Kinder, die meinen Schatz stehlen wollen? Nein, der Schatz gehört mir allein, los an die Wand mit euch Kindern, aber flott!», rief er gehässig. Doch Mo und Luisa bewegten sich keinen Zentimeter. «Na wird’s bald?» Langsam aber sicher wurde der Räuber wütend, zerrte die Geschwister aus ihrem Versteck und schubste sie an die Wand. Dabei beging er jedoch einen grossen Fehler. Er drehte dem Teppich den Rücken zu. Dieser fackelte nicht lange, flog von hinten auf den Räuber zu und umwickelte ihn wie eine Würgeschlange. Der Räuber bekam fast keine Luft mehr und schrie mit letzter Kraft: «Persinable kuntuno!» und schlagartig erschlaffte der Teppich. Der Räuber rappelte sich auf und schrie die Kinder wütend an. Luisa sah ihn ängstlich an. Was würde er nun mit ihnen machen? Der Räuber zog seinen Gürtel aus, fesselte die Geschwister, verliess die Höhle und kam kurze Zeit später mit zwei Säcken zurück und begann sie zu füllen. Luisa überlegte fieberhaft, wie sie sich, Mo, den Teppich und die Krone retten konnte. Doch Mo stupste sie an und deutete auf einen goldenen Dolch, der in einem der vielen Berge aus Gold steckte. In einem günstigen Moment schlichen sie zum Dolch und schnitten die Fesseln an den Händen durch. Mo griff sich blitzschnell einen, der herumliegenden Säcken, stülpte ihn dem Räuber von hinten über den Kopf und versetzte ihm einen Tritt, noch bevor er seinen Säbel ziehen konnte, so dass er in einen der vielen Gänge fiel und liegen blieb. Mo rannte zu Luisa und umarmte sie erleichtert. «Danke, dass du mich gerettet hast!» Luisa drückte ihren Bruder an sich. «Gern geschehen, Schwesterchen!» Luisa liess Mo wieder los und hob den Teppich auf. Leise flüsterte sie: «Persinable kuntuno!» Langsam glitt ihr der Teppich aus den Händen und schwebte zwischen ihnen über dem Boden. «Vielen Dank, Kinder!» Mo konnte die Dankbarkeit in seiner Stimme hören. «Ohne euch würde das Reich des Sultans im ewigen Streit sein. Ihr habt ein grosses Herz und Mut beweisen. Zum Dank dürft ihr euch etwas aus dieser Schatzammer aussuchen.» Mo und Luisa waren sprachlos. Sie konnten sich kaum entscheiden, bei so viel Schönem. Schliesslich traten Mo und Luisa vor den Teppich.

 Beide hatten sich eine Wunderlampe aus purem Gold ausgesucht. «Wie ich sehe, habt ihr entschieden. Eine gute Wahl habt ihr getroffen. Und jetzt springt auf, ich bringe euch nach Hause, bevor euch eure Eltern vermissen.» Mo und Luisa wären gerne noch geblieben, doch sie verstanden, dass der Teppich in sein Reich zurückkehren musste, damit Frieden einkehren konnte. Mo schnappte sich die Krone und stieg gemeinsam mit seiner Schwester auf den Teppich. Dieser sauste aus der Höhle heraus und dem Sonnenuntergang entgegen. Mo und Luisa betrachteten während des ganzen Fluges die Welt, die unter ihnen vorbeizog.

 Viel zu schnell landeten sie wieder auf dem Estrich. Sie stiegen ab und legten die Krone in die Mitte des Teppichs. «Auf Wiedersehen», sagte Luisa traurig. «Bis bald.» Auch der Teppich klang ein Wenig traurig. «Ich komme euch einmal besuchen», versprach der Teppich, erhob sich in die Luft und flog lautlos durchs Dachfenster davon. Mo und Luisa blieben noch lange am Fenster stehen und schauten dem Teppich hinterher bis schiesslich ihre Eltern sie zum Abendessen riefen.

 

„Wie ein wahr gewordener Traum“ von Ryanne, 6. Kl.

Mein Name ist Angel White. Ich bin 15 Jahre alt. Mein Leben war bisher wie jedes andere auch. Ich wurde auf meiner Schule fertiggemacht und war eine ziemliche Aussenseiterin. Ich hatte keine Freunde und meine Mutter war bei meiner Geburt gestorben. Mein Vater ist also alleinerziehend, doch er ist immer für mich da und ist der beste Vater, den man sich wünschen kann.

Mein Wecker klingelte. Ich stand, wie jeden Morgen, verschlafen auf und ging in die Küche. Auf dem Tisch lag ein Zettel, auf dem stand etwas. Ich las ihn. Es war mein Vater, der geschrieben hatte, dass er früher arbeiten ging. Ich dachte mir nichts, schliesslich musste er uns ja irgendwie durchbringen. Ich ass und ging danach zur Schule. Wenn ich damals schon gewusst hätte, was passiert war, wäre ich nicht so überrascht gewesen, dass ausgerechnet Caroline, die mich sonst immer verspottete und fertigmachte, auf mich zu rannte und mich in die Arme schloss. «Ach Angel, das mit deinem Vater tut mir ja so leid!», wimmerte die Blondine, die mir immer noch um den Hals hing. «Danke», sagte ich verwirrt, «aber was meinst du damit?» «Ach du meine Güte, du weisst es wirklich nicht! Schätzchen, dein Vater hatte einen Unfall und liegt nun im Koma», sagte sie süsslich und löste sich von mir. Mir schossen Tränen in die Augen und ich brach zusammen. Verzweifelt vergrub ich mein Gesicht in meine Hände und dachte: «Nein, das darf nicht wahr sein! Nicht noch das Letzte, was ich habe.»

Die Schulglocke klingelte. Zu meinem Erstaunen waren heute und auch die nächsten Tage alle so unglaublich lieb zu mir. Doch an einem Tag, als ich wieder von einem Lehrer, der gehasst wurde, Nachsitzen ohne Grund aufgebrummt bekam und ich wütend wurde, geschah etwas Aussergewöhnliches. Ein Buch flog hinauf und klatschte voll auf seinen Kopf. Ich rannte hinaus, als es klingelte, da er sich immer noch nicht erholt hatte. Solche Dinge geschahen nun immer öfters und mittlerweile war ich mir sicher, dass es immer dann geschah, wenn ich wütend war.

Ich hatte heute Geburtstag und stand seit Langem wieder einmal glücklich auf, weil ich wusste, dass ich nun endlich nicht alleine war, an meinem Tag. Mein Vater war zwar immer noch im Koma, und das seit einem Monat, doch ich hatte nun Freunde. Ich stand in Unterwäsche vor dem Spiegel, um mich zu betrachten, drehte mich um und mir stockte der Atem. Zwei Knochen stiessen aus meinem Rücken hervor.

In den nächsten Tagen konnte ich es zum Glück mit einem weiten Pullover bedecken, doch es wurde immer schlimmer. Ich meldete mich krank, denn ich konnte mich nicht mehr irgendwo anlehnen. Mittlerweile wurden aus den kleinen Knochen schon kleine Flügel mit braunen Federn. «Verflixt, was stimmt mit mir nicht?», fragte ich mich.

Nach einem Monat klingelte es an der Tür. Ich schaute durch ein Fenster und traute meinen Augen nicht. Ich riss die Tür auf und schrie mit Tränen in den Augen: «Dad!» Ich sprang meinem Vater um den Hals, doch mein Vater stiess mich sofort in die Wohnung zurück und folgte mir, als er die mittlerweile schon langen, grossen Flügel sah, die bis zum Boden gingen. Er setzte sich an den Tisch und strich verzweifelt durch seine blonden Haare.

«Angel… Ich muss mit dir reden! Versprich mir, nicht reinzureden und mich danach nicht zu hassen, bitte.» Ich nickte gespannt und er begann zu erzählen: «Ich habe dich dein Leben lang mit einem Zauber belegt, dass dir weder Flügel wachsen, noch dass du magische Kräfte kriegst. Deine Mutter ist nicht bei deiner Geburt gestorben. Sie wurde ermordet von ihren Artgenossen. Für die anderen ihrer Art war sie eine Schande. Ich hatte Angst um dich, deshalb habe ich geschaut, dass du normal bist. Aber du Angel, bist ein… Engel. Wie deine Mutter kannst du heilen, Dinge fliegen lassen und selber fliegen.»

Ich atmete tief ein und aus und fragte leise: «Wo ist sie? Ich meine, meine Mutter.» «Ich weiss es nicht. Sie hat sich in Federn aufgelöst, als sie gestorben ist.» Mir stiegen Tränen in die Augen. Eine Träne rollte mir über meine Wange. Ich wünschte mir damals nichts lieber, als dass sie gerade bei mir wäre und dass sie mich in ihre Arme schliesse.

Ich spürte von einem Augenblick zum Nächsten zwei kräftige Arme, die mich umschlossen. Zeitgleich wurde ich auch noch von mächtigen, weissen Flügeln umhüllt. Die Frau blickte mir tief in die Augen. Anders als ich trug sie schwarze Haare und hatte fast schon weisse Augen. Sie sagte lieblich: «So, meine Tochter hat braune Haare, braune Flügel, blaue Augen und kann auch noch Tote mit Willenskraft heilen. Genauso, wie ich es mir immer vorgestellt hatte. Du bist wunderschön meine Liebe.» Sie lächelte.

 Wir lebten noch glücklich als Familie zusammen. Meine Mutter brachte mir alles bei, was man als Engel können muss. Und zu zweit flogen wir über die Wolken.

 

 „Die Quelle des Fliegens“ von Manuel, 6. Kl.

 Vor langer Zeit lebte ein starker Mann namens Wilhelm. Er wohnte in einem kleinen Häuschen am Waldrand irgendwo in der Schweiz. Wilhelm war sehr bekannt, weil er so nett war.

Eines Tages klopfte es an seiner Tür. «Einen Moment, ich komme gleich», rief er. Vor der Tür stand ein alter Mann, der offensichtlich sehr arm war, denn er hatte nur eine alte, zerschlissene Hose und eine schäbige Jacke an. «Ich heisse Hans-Ruedi», stellte er sich vor. «Du hast nicht zufällig etwas zu Essen für mich?» Wilhelm hatte Mitleid mit ihm: «Komm doch herein. Du siehst müde aus.» Der Alte dankte ihm und trat ein. «Sehr gemütlich hast du es hier», bemerkte er. Nachdem Hans-Ruedi genug gegessen hatte, sprach er zu Wilhelm: «Weil du mich so nett aufgenommen hast, will ich dich belohnen. Diese Karte zeigt dir den Weg zu einer Quelle. Wer davon trinkt, kann fliegen. Doch Vorsicht, ein Schluck reicht nur für fünf Minuten und achtunddreissig Sekunden!» Plötzlich stieg Rauch auf und als er sich lichtete, war der alte Mann verschwunden. Doch die Karte lag immer noch auf dem Tisch. Also hatte Wilhelm nicht geträumt. Voller Tatendrang machte er sich auf und nahm nur das Nötigste mit: Etwas zu Essen, eine Decke, einen Kompass, Pfeil und Bogen und natürlich die Karte. Laut Kompass ging es nach Südosten, immer weiter in Richtung Berge. Wilhelm lief bis in die Dämmerung hinein. Alsdann suchte er Schutz in einer Höhle, welche von ein paar Fledermäusen bewohnt war, die jedoch das Weite suchten, als er eintrat. «Sehr gemütlich», dachte er. Nachdem er ein Stück Brot gegessen hatte, schlief er schon bald ein. Am nächsten Morgen wurde er von einem Winseln geweckt. Vor der Höhle stand ein Wolf, welcher offensichtlich eine verletzte Pfote hatte. Als Wilhelm näherkam, machte der Wolf keine Anstalten zu fliehen, sondern blieb ruhig stehen. Wilhelm untersuchte und verarztete die Wunde. Danach gab er dem Wolf etwas zu fressen. «Ich nenne dich Lupo», verkündete Wilhelm. Lupo gab im Recht, denn er kläffte zufrieden. So liefen sie weiter, bis sie zu einem Haus mitten in der Wildnis kamen. Wilhelm klopfte an und eine alte, kleine Frau öffnete. «Was willst du denn hier, mitten im Wald?», erkundigte sie sich. «Ich suche die Quelle des Fliegens», antwortete er. «Komm rein», erwiderte sie. «Ist dir jemand gefolgt?» «Nein, niemand», versicherte er. Die alte Frau fuhr fort: «Ich erzähle dir die Legende von der Drachenhöhle, also hör gut zu: Es war einmal ein Bergbauer, der auf einer Alp in der Nähe der Quelle wohnte. Eines Tages hörte er ein markerschütterndes Geheul und das Dach seines Hauses brannte lichterloh. Die Tür stand bereits in Flammen und so verbrannte er elendig.»

«Das ist ja schrecklich», fand Wilhelm. Er bedankte sich bei ihr und zog weiter, bis er zum ersten Mal ein Gebrüll hörte. Doch er zögerte keine Sekunde und ging in die Richtung, aus der der Schrei kam. Er erblickte das Ungeheuer und ging darauf los. Es wurde ein langer und harter Kampf; keiner dachte auch nur daran, aufzugeben. Doch Wilhelm hatte noch mehr Energie als der Drache und so rammte er ihm das Schwert ins Herz. Er musste noch eine halbe Stunde suchen und dann hatte er sie endlich gefunden: Die Quelle des Fliegens. Jubelnd rannte er darauf zu und sprang ins kühle Nass. Als er darin rumplantschte, wurde er plötzlich ganz leicht. «Ich kann fliegen!», schrie er, dass es sogar die alte Frau in ihrem Häuschen noch hörte. Er fühlte sich wie ein Vogel. Doch nach fünf Minuten und achtunddreissig Sekunden wurde er wieder schwerer und plumpste wie ein Stein zu Boden.

 Tja, wer nicht hören will, muss fühlen.

 

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