Was die Bevölkerung vom Winterthurer Hauptbahnhof der Zukunft erwartet
Über 1100 Personen haben an der Online-Befragung zum Winterthurer Hauptbahnhof teilgenommen. Die Ergebnisse fliessen in die Testplanung Stadtraum HB mit ein, die bis Ende 2026 dauert. Drei Planungsteams wurden ausgewählt.
Die Personenströme am Winterthurer Hauptbahnhof nehmen stetig zu. Gemäss Prognosen werden im Jahr 2050 bis zu 180'000 Reisende pro Tag erwartet, rund 50 Prozent mehr als heute. Neben den Bahnanlagen selbst muss dafür auch der Stadtraum rund um den Bahnhof weiterentwickelt werden. Wichtige Themen sind die Nutzung und Gestaltung der öffentlichen Räume sowie die Neuorganisation des Verkehrs und der Bushaltestellen. Die Stadt Winterthur führt dazu eine Testplanung durch (Medienmitteilung vom 4. Februar 2025).
Um die Bedürfnisse der breiten Bevölkerung und der Nutzenden des Hauptbahnhofs abzuholen, wurde im Oktober und November eine Online-Umfrage durchgeführt (Medienmitteilung vom 20. Oktober 2025). Nun liegen die Resultate vor. Insgesamt 1105 Personen aller Altersgruppen haben teilgenommen, rund drei Viertel davon aus Winterthur.
Der HB heute: Gut zum Umsteigen, nicht zum Verweilen
Die Funktionalität des Bahnhofs als Verkehrsdrehscheibe und Querungsort wird in der Umfrage mehrheitlich positiv bewertet. Die Qualität der öffentlichen Räume hingegen wird – mit ein paar Ausnahmen – als mangelhaft eingestuft. Eine Mehrheit wünscht sich eine ansprechendere Gestaltung der Plätze, mehr Grün und Schatten, mehr Sitzgelegenheiten sowie mehr Klarheit in der Verkehrsführung. In den freien Kommentarfeldern wird bei letzterem Punkt oft der Busbahnhof genannt, aber auch die Rudolfstrasse, wo eine bessere Entflechtung von Velo- und Fusssverkehr gewünscht wird. Ebenfalls oft gewünscht: mehr und regengeschützte Veloabstellplätze, wobei 55 Prozent das aktuelle Angebot als ausreichend bewerten.
Die beliebtesten Aufenthaltsorte rund um den Hauptbahnhof liegen mehrheitlich westlich der Gleise, beim Neuwiesenzentrum, der Rudolfstrasse und dem Kesselhausplatz: Orte also, die in den letzten Jahren deutlich aufgewertet wurden. Auf der Ostseite des Bahnhofs und in den Unterführungen werden hingegen Defizite in Bezug auf Aufenthaltsqualität, Sicherheit, Platz und Grünraum genannt. Diese Faktoren tragen wesentlich dazu bei, dass der Bahnhof insgesamt eher als Transitort denn als attraktiver Stadtraum wahrgenommen wird. Insgesamt macht die Befragung deutlich, dass grosses Potenzial für eine qualitative Aufwertung des Bahnhofs und seines Umfelds besteht. Der Ergebnisbericht zur Umfrage und weitere Grundlagen sind auf der Projektwebsite zur Testplanung Stadtraum Hauptbahnhof zugänglich.
Drei Planungsteams ausgewählt
Die Ergebnisse der Online-Umfrage werden den Bearbeitungsteams als Grundlage zur Verfügung gestellt. Inzwischen ist bekannt, welche drei Teams aus dem hochkarätigen Bewerberfeld ausgewählt wurden. Es handelt sich um Atelier Corso (mit B+S Verkehrsplanung, Uniola Landschaftsarchitektur und Barbara Emmenegger Soziologie & Raum), Güller Güller architecture urbanism (mit mrs Verkehrsplanung, Lorenz Eugster Landschaftsarchitektur und HSLU, Institut für soziokulturelle Entwicklung) sowie urbanista.ch (mit agps architecture ltd., Transitec Verkehrsplanung und Sima Breer Landschaftsarchitektur).
Die drei Teams werden bis Ende 2026 in mehreren Runden Lösungsvorschläge für die öffentlichen Räume rund um den Hauptbahnhof erarbeiten. Im Fokus stehen dabei der Bahnhof- und der St. Georgenplatz, die Rudolfstrasse und die südliche Bahnhofsunterführung. Begleitet wird die Testplanung durch einen partizipativen Prozess, u.a. mit einem «Echoraum», in dem Vertretungen von rund vierzig Quartierorganisationen, Interessensverbänden, Vertreter:innen der Politik sowie Grundeigentümerschaften involviert sind. Nach Abschluss der Testplanung folgt eine öffentliche Ausstellung der Ergebnisse. In der Zwischenzeit sind für die interessierte Bevölkerung Informationsveranstaltungen, Updates auf der Projektwebsite und ein Newsletter vorgesehen.




