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Stadtrat lehnt Initiative «Ja zur Wohninitiative» ab

11.06.2026
Die kommunale Volksinitiative «Ja zur Wohninitiative – Für eusi Stadt, für eusi Familie» fordert einen Vorrang für Einwohner:innen der Stadt Winterthur bei der Vergabe von städtischen und städtisch unterstützten Wohnungen. Der Stadtrat teilt das Anliegen, mehr Wohnraum zu schaffen, lehnt die Initiative jedoch ab. Sie ist aus Sicht des Stadtrats kein taugliches Mittel, um die Wohnungsnot zu lindern und widerspricht dem Selbstverständnis von Winterthur als offene Zentrumstadt.

Die kommunale Volksinitiative «Ja zur Wohninitiative – Für eusi Stadt, für eusi Familie» fordert einen Vorrang für Einwohner:innen der Stadt Winterthur bei der Vergabe von städtischen und städtisch unterstützten Wohnungen. Der Stadtrat teilt das Anliegen, mehr Wohnraum zu schaffen, lehnt die Initiative jedoch ab. Sie ist aus Sicht des Stadtrats kein taugliches Mittel, um die Wohnungsnot zu lindern und widerspricht dem Selbstverständnis von Winterthur als offene Zentrumstadt.

Am 17. Februar 2026 reichte das Initiativkomitee die kommunale Initiative «Ja zur Wohninitiative – Für eusi Stadt, für eusi Familie» mit 1108 gültigen Unterschriften ein (Medienmitteilung vom 10. April 2026). Die Initiative verlangt eine gesetzliche Grundlage von Seiten Stadtparlament. Darin soll festgelegt werden, dass Einwohner:innen der Stadt Winterthur bei der Vergabe von städtischem und städtisch unterstütztem Wohnraum bevorzugt werden. Voraussetzung dafür ist ein längerer Wohnsitz in der Stadt, während Bewerbende von auswärts nachrangig berücksichtigt werden sollen. Der Stadtrat beantragt dem Stadtparlament, die Initiative für gültig zu erklären. Er lehnt die Initiative ohne Gegenvorschlag aus verschiedenen Gründen ab.

Kein taugliches Mittel zur Linderung der Wohnungsnot

Der Wohnungsmarkt in Winterthur ist angespannt und bezahlbare Wohnungen sind knapp. Der Stadtrat teilt das Anliegen, mehr Wohnraum für die Bevölkerung zu schaffen. Er hält die Bevorzugung von Einheimischen bei der Wohnungsvergabe jedoch nicht für ein wirksames Mittel. Der Wohnraum würde damit nur anders verteilt. Es würde aber keine einzige neue Wohnung entstehen und die Ursachen des angespannten Wohnungsmarkts würden bestehen bleiben. Mit seiner neuen Wohnstrategie verfolgt der Stadtrat einen anderen Ansatz (Medienmitteilung vom 13. April 2026). Ziel der Strategie ist es, mehr Wohnraum zu schaffen, gemeinnützigen Wohnraum zu stärken und die Zusammenarbeit mit den Akteur:innen auf dem Wohnungsmarkt zu fördern.

Widerspruch zur offenen Haltung der Stadt Winterthur

Winterthur versteht sich als offene und lebendige Zentrumsstadt. Auch Auswärtige sind willkommen, in Winterthur zu arbeiten, am städtischen Leben teilzunehmen und hier zu wohnen. Für den Stadtrat ist klar: Dieses Verständnis von Offenheit und Teilhabe ist wichtig. Es macht Winterthur als Lebensstandort attraktiv und unterstützt die wirtschaftliche Entwicklung. Die Bevorzugung von Einheimischen bei der Wohnungsvergabe würde die Mobilität zwischen den Gemeinden erschweren. Menschen mit bestimmten Lebensmodellen würden zudem benachteiligt, darunter Familien in einem neuen Lebensabschnitt, Fachkräfte, Studierende oder ältere Menschen mit verändertem Wohnbedarf.

Bereits vorhandene Vergabekriterien

Der Stadtrat erachtet eine Vorgabe von zwingenden Vergabekriterien für städtische und städtisch unterstützte Wohnungen als weder nötig noch verhältnismässig. Die städtischen Richtlinien enthalten für die Vergabe von Wohnungen bereits sinnvolle Kriterien, etwa zur sozialen Durchmischung. Genossenschaften oder Stiftungen, die von städtischer Unterstützung profitieren, vergeben ihre Wohnungen heute vorrangig an Mitglieder und an Menschen, die Bedarf nach gemeinnützigem Wohnraum haben. Ein Ortsbezug als Vergabekriterium widerspräche ihren sozialen Prinzipien.

Der Stadtrat ist überzeugt: Die Wohnungsnot lässt sich nur mit mehr Wohnraum und langfristigen Lösungen entschärfen und nicht mit neuen Vergaberegeln für vorhandene Wohnungen. Zudem würde die Umsetzung eines Vorranganspruchs hohen administrativen Aufwand und Kosten nach sich ziehen. Der Stadtrat empfiehlt deshalb dem Parlament und den Stimmberechtigten, die Initiative abzulehnen.

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