Sophie Schaeppi: Eine Künstlerin zwischen Entfaltung und Pflicht
Familiäre Pflichten rufen die Winterthurer Malerin Sophie Schaeppi 1894 aus ihrem Lebensmittelpunkt Paris in die Heimatstadt und ins Elternhaus zurück. Fern von den Anregungen der Metropole bleibt fortan ihre künstlerische Tätigkeit beschränkt. Doch sie nimmt am städtischen Leben teil und hält ihre Erlebnisse im Tagebuch fest. Dieses Tagebuch ist das Thema des 363. Neujahrsblatts der Stadtbibliothek Winterthur.
Die Malerin Sophie Schaeppi (1852–1921) kommt 1874 zur Weiterbildung nach Paris. Mit Fayencemalerei und Illustrationen baut sie eine prekäre Existenz auf. Nach dem Tod der Mutter folgt sie ihrem gegebenen Versprechen und kehrt 1894 nach Winterthur zurück. Sie führt den väterlichen Haushalt und besorgt die Erziehung einer Nichte. Die Enge der Kleinstadt setzt ihr zu; sie leidet unter Migränen und Augenkrankheiten. Malunterricht und Kinderporträts sichern der Künstlerin ein eigenes Einkommen, am gesellschaftlichen und kulturellen Leben der Stadt nimmt sie lebhaft teil. Reisen lassen sie aufblühen und seltene, mit Freilichtmalerei verbrachte Stunden bedeuten ihr alles. Für einige Jahre pflegt sie eine innige Freundschaft mit der Baronin Sulzer-Wart.
In ihren Tagebüchern schreibt Sophie Schaeppi zunächst über ihren Existenzkampf im geliebten Paris. Zurück in Winterthur berichtet sie - zuweilen mit spitzer Feder - über das bürgerliche Leben in der Stadt um die Wende zum 20. Jahrhundert. Lisa Nigg und François Guex, eine Grossnichte und ein Urgrossneffe Sophie Schaeppis, haben aus den umfangreichen Texten eine informative und unterhaltende Auswahl getroffen und aus dem Französischen übersetzt.
Das Tagebuch der Malerin Sophie Schaeppi (1852–1921)
Eine Künstlerin in der Belle Epoque zwischen Entfaltung und Pflicht
Herausgegeben von Lisa Nigg und François Guex
363. Neujahrsblatt der Stadtbibliothek Winterthur, 2026
Das Buch ist für 44 Franken in der Stadtbibliothek oder im Buchhandel erhältlich.




