Biotopbäume: Mehr Naturvielfalt in der Stadt
Stadtgrün Winterthur kontrolliert die städtischen Bäume im Siedlungsgebiet regelmässig. Bruchgefährdete Bäume werden durch Jungbäume ersetzt. Neu werden die Bäume, wo möglich, nicht mehr vollständig gefällt, sondern stark zurückgechnitten und als sogenannte «Biotopbäume» stehengelassen. Diese bieten zahlreichen Lebewesen einen wertvollen Lebensraum und leisten einen Beitrag zur Biodiversität in der Stadt.
Die gut 16’500 städtischen Bäume im Siedlungsgebiet werden von Stadtgrün systematisch kontrolliert und überwacht. Wenn die Sicherheit eines Baumes mit den ordentlichen Pflege- und Sicherungsmassnahmen nicht mehr gewährleistet werden kann, wird er während der Vegetationsruhe im Winter gefällt und vor Ort durch einen Jungbaum ersetzt.
Um die Biodiversität im Siedlungsraum zu erhöhen und die Anpassungsfähigkeit des Stadtbaumbestandes an den Klimawandel und andere Umweltrisiken zu verbessern, hat Stadtgrün ein Bündel von Massnahmen in die Wege geleitet.
Mit «Biotop-Baum» ökologische Funktion erhalten
Neu wird bei den zu fällenden Bäumen geprüft, ob ein Teil des Stammes als sogenannter «Biotopbaum» stehengelassen werden kann. Insbesondere bei alten Bäumen mit ökologisch wertvollen Eigenschaften wie Höhlen, Rissen, Efeu- und Pilzbewuchs sowie morschem Holz entsteht im stehenden, absterbenden Holz des Baumstumpfes ein wertvoller Lebensraum für Tiere, Pflanzen und Pilze. Vögel wie Spechte, Meisen oder Eulen nutzen die Höhlen im Stamm als Brut- und Schlafplätze. Fledermäuse finden in Rindenspalten und Höhlungen sichere Quartiere. Insekten, insbesondere Käfer, Wildbienen und Schmetterlinge legen ihre Eier im morschen Holz ab und finden dort auch Nahrung. Kleinsäuger wie Siebenschläfer oder Mäuse nutzen die Strukturen als Unterschlupf. Moose, Flechten und Pilze besiedeln das Holz und tragen zur Zersetzung bei. Diese Organismen schaffen wiederum die Grundlage für weitere Lebensgemeinschaften. Die vollständige Zersetzung eines Biotopbaums dauert je nach Baumart, Stammstärke, Standort und Witterung mehrere Jahrzehnte. Während dieser gesamten Zeit erfüllt der Baum wichtige ökologische Funktionen.
Das Stehenlassen von «Biotopbäumen» ist überall dort möglich, wo vom stehengelassenen Stamm kein Schaden betreffend die Sicherheit von Fussgänger:innen oder Verkehrsteilnehmenden zu erwarten ist und wo der Baum nicht sofort und exakt am selben Ort ersetzt werden muss. Wenn immer möglich wird stattdessen in der unmittelbaren Umgebung ein Jungbaum gepflanzt, der in der Nachbarschaft und im Schutz des «Biotopbaums» aufwachsen kann.
Zucht von «Winti-Bäumen»
Ist eine Fällung und ein Ersatz vor Ort notwendig, werden wenn möglich einheimische, standortangepasste Baumarten gepflanzt. In zwei bis drei Jahren werden dafür die ersten «Wintibäume» zur Verfügung stehen. Im Rahmen von Aufzuchtsverträgen mit Baumschulen lässt Stadtgrün seit drei Jahren «Wintibäume» aus selbst gesammeltem oder regional eingekauftem Saatgut heranziehen, um die Angepasstheit der Bäume an den Standort und vor allem die genetische Vielfalt der Stadtbäume zu verbessern. Es sollen aber auch einige fremdländische Hitzekünstler eingesetzt werden. Auf Arten mit bekanntem invasivem Potenzial wird verzichtet.
Neben Ersatzbewirtschaftungen pflanzt Stadtgrün mit grosser Intensität zusätzliche Bäume, um den aktuellen Bestand von 16’500 Bäumen im Siedlungsgebiet kontinuierlich zu erneuern und zu vergrössern.
| Typ | Titel |
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