Kommunaler Richtplan, Teil Mobilität
Mobilitätsziele im neuen Richtplan
Winterthur wächst kontinuierlich. Dieses Wachstum erzeugt mehr Personen- und Güterbewegungen, die alle auf gleichbleibender Verkehrsfläche abgewickelt werden müssen. Zudem soll die Mobilität in Winterthur langfristig klimaneutral werden. Die Winterthurer Bevölkerung sprach sich am 28. November 2021 deutlich für das Klimaziel Netto-Null Treibhausgasemissionen bis 2040 aus. In der Stadt Winterthur wie auch in der ganzen Schweiz ist der Strassenverkehr für mehr als einen Drittel der Treibhausgasemissionen verantwortlich.
Studien zu Winterthur und von weiteren Städten zeigen, dass zur Erreichung des Netto-Null Ziels eine deutliche Reduktion des Anteils des motorisierten Individualverkehrs (MIV) notwendig ist. Eine reine «Antriebswende», also ein Ersatz der heutigen Verbrennungsmotoren durch im Betrieb emissionslose Motoren (z. B. Elektrofahrzeuge), verfehlt das Netto-Null-Ziel deutlich.
Halbierung des MIV-Anteils bis 2040
Im Richtplan wird der Fokus deshalb auf die Mobilitätswende gelegt. Ziel ist eine Halbierung des MIV-Anteils von 42 Prozent auf 20 Prozent in Kombination mit der «Stadt der kurzen Wege» (kürzere Wege infolge Dichte und Nutzungsvielfalt). Nur so kann der Strassenverkehr den erforderlichen Beitrag zur Erreichung des vom Winterthurer Stimmvolk beschlossenen Netto-Null-Ziels 2040 leisten.

Die Daten basieren auf dem Mikrozensus Mobilität und Verkehr des Bundes, in welchem das Verkehrsverhalten der Bevölkerung untersucht wird. Dabei wird vom Wirtschaftsverkehr lediglich der sogenannte «Personenwirtschafts- und Dienstleistungsverkehrs ohne Waren» mitberücksichtigt, welcher vom Privatverkehr schwer abzugrenzen ist. Hingegen ist der Güterwirtschaftsverkehr und der Dienstleistungsverkehr mit Waren nicht enthalten und damit von den Modal-Split-Zielen nicht betroffen.
Die vorgesehenen Massnahmen im Richtplan setzen auf eine 4V-Strategie:
- Vermeiden: Winterthur gestaltet das Siedlungswachstum so, dass möglichst wenig zusätzlicher motorisierter Verkehr entsteht. (Stadt der kurzen Wege, Wachstum an Orten mit gutem ÖV-Anschluss konzentrieren)
- Verlagern: Der Verkehr wird möglichst stark auf flächeneffiziente und nachhaltige Verkehrsmittel verlagert. (Förderung und Priorisierung von Fuss-, Velo- und öffentlichem Verkehr)
- Verträglich abwickeln: Der verbleibende motorisierte Verkehr wird möglichst siedlungsverträglich abgewickelt. (Stichworte sind u.a. Strassenraumgestaltung, Verkehrsberuhigung, Elektrifizierung)
- Vernetzen: Umsteigen auf nachhaltige Mobilitätsformen vereinfachen.
Das Stadtparlament hat den gesamtrevidierten kommunalen Richtplan am 13. April 2026 mit 31:21 Stimmen festgesetzt. Weil das Referendum ergriffen wurde, kommt es im November 2026 zur Volksabstimmung.
Mobilitätsziele im geltenden Richtplan (seit 2011)
Das im neuen kommunalen Richtplan genannte Modalsplit-Ziel ist nicht die erste Vorgabe dieser Art. Am 18. April 2011 hat das Stadtparlament (damals: Grosser Gemeinderat) mit 32:19 Stimmen dem Gegenvorschlag zur kommunalen Volksinitiative «zur Förderung des ÖV, Fuss- und Veloverkehrs in der Stadt Winterthur» (der sogenannte Städte-Initiative des Vereins Umverkehr) zugestimmt.
Der Inhalt des Gegenvorschlages wurde in den kommunalen Richtplan und ins städtische Gesamtverkehrskonzept übernommen. Kerninhalt war die Forderung nach einer Verlagerung des Modalsplits zugunsten des ÖV, Fuss- und Veloverkehrs um acht Prozentpunkte bis 2025.
Entwicklung seit 2010
Modal Split Gesamtmobilität in Winterthur nach Wegen mit Start und/oder Ziel im Stadtgebiet
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Mobilität
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