Gebäudebrüter (Schwalben & Segler)

Gebäudebrüter sind Vögel, die an oder in menschlichen Bauten nisten, zum Beispiel Störche, Schwalben und Dohlen. Manche dieser Arten zeigen eine grosse Brutplatztreue und müssen daher bei Um- und Neubauten geschützt werden.
Vögel fliegen nahe einem Gebäude über Nester unter dem Dach.
Kunstnester von Mehlschwalben an einem Gebäude.
© Martin (via Pixabay)

Was sind Gebäudebrüter?

Als Gebäudebrüter werden Vogelarten bezeichnet, die in, an oder auf Gebäuden ein Nest bauen und ihre Jungen aufziehen. Ursprünglich nutzten gebäudebrütende Arten meist Felsen, Höhlen oder alte Bäume als Brutstandort. Dank einer grossen Anpassungsfähigkeit konnten einige Arten als Kulturfolger in den sich ausbreitenden menschlichen Siedlungen einen Ersatzlebensraum finden.

Möglich Niststandorte an einem Gebäude sind Dachvorsprünge, Dachböden, Rolladenkästen oder Fassadenritzen. Die Populationen mancher gebäudebrütenden Vogelarten sind in den letzten Jahren stark geschrumpft, weil Gebäude mit Nistplätzen abgerissen wurden und neue Gebäude weniger Strukturen aufweisen.

Vogel im Nest unter einem Dach.
Naturnest einer Mehlschwalbe.
© Stefan Wassmer

Gesetzlicher Schutz

Während der Brutzeit gilt ein absoluter Schutz des Brutgeschäfts. Störende Eingriffe wie zum Beispiel die Installation von Baugerüsten sind dann verboten. Ausnahmebewilligungen sind nur in begründeten Einzelfällen durch den Kanton möglich. 

Im Kanton Zürich wurde der Beginn der Brutzeit mit dem ersten Anflug der Nester festgelegt. Werden nach Eintreffen der Vögel aus dem Winterquartier die Nester entfernt, oder wird der Anflug zum Nest nachträglich verhindert, gilt dies als Störung des Brutgeschäftes und ist strafbar.

Die Nester von geschützten Arten wie Seglern und Schwalben sind als Naturschutzobjekte auch ausserhalb der Brutzeit geschützt. Bei Eingriffen an solchen Gebäuden im Winterhalbjahr (Sanierungen, Umbauten, Abrisse) müssen Ersatz- oder Wiederherstellungsmassnahmen getroffen werden.

Stadtgrün Winterthur berät Sie gerne bezüglich Gebäudebrüter bei der Planung von Renovationen und Umbauten sowie bei der Gebäudebrüter-freundlichen Gestaltung von Neubauten. Melden Sie sich direkt unter oekologie@win.ch oder 052 267 30 00.

Zusammenleben

Vier Vögel in einem Nest unter einem Holzdach.
Junge Rauchschwalben im Nest.
© Stefan Wassmer

Die meisten gebäudebrütenden Arten leben beinahe unbemerkt neben uns Menschen. Konflikte treten am ehesten dort auf, wo Kotverschmutzungen ein hygienisches Problem darstellen. Dies lässt sich meist einfach lösen, beispielsweise mit der Montage von Kotbrettern oder künstlichen Nisthilfen.

Schwalben

Im Sprichwort «Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer» hat sich die Beobachtung niedergeschlagen, dass einzelne Schwalben bereits ab Mitte März aus den afrikanischen Winterquartieren zurückkehren. In grösserer Zahl kommen sie erst ab Mitte April an, wenn der Sommer vor der Tür steht. Die Schwalben leben seit Jahrhunderten in engster Nachbarschaft mit dem Menschen und gilt als Frühlings- und Glücksbringerin.

Während die Rauchschwalbe vor allem in Ställen und Scheunen ihre Brutstätten errichten, sind es die Mehlschwalben, welche ihre kunstvollen Nester unter Dachvorsprüngen an die Hauswand «kleben». Darum findet man Rauchschwalben in der Regel eher nicht in der Stadtmitte. Sie bevorzugt die Gesellschaft von Stalltieren, welche auch für eine angenehme Wärme sorgen. Im unterschied dazu finden wir sehr oft Mehlschwalben auch in Zentrumsnähe, wenn sie genügend Nahrung finden.

Bauen Schwalben ihr Nest selbst, dann sind sie wahre Baukünstler. Sie sammeln feuchte Erdklümpchen, vermischen das mit ihrem Speichel und bauen daraus ihre Brutstätte. Für ein Nest werden etwa 750-1400 Erdklümpchen benötigt. Da gerade in Stadtnähe geeignet erdige Stellen fehlen, werden oftmals künstliche Nisthilfen für die Schwalben aufgehängt, welche die Tiere auch gerne annehmen.

Segler

In Winterthur sind sowohl Alpen- wie auch Mauersegler schon lange zu Hause. In vielen Häusern unter dem Dach oder in speziellen Nistkästen kommen jedes Jahr Segler und ziehen ihre Jungen auf. In der Stadt gibt es gegen 200 Brutstandorte von Mauerseglern und rund 20 Brutstandorte von Alpenseglern.

Mauer- und Alpensegler sind auf kleine Hohlräume an unseren Gebäuden und Mauern angewiesen. Früher waren die meisten Häuser so gebaut, dass im Dachbereich genügend Hohlräume und Nischen als Nistplätze für Segler vorhanden waren. Heute werden diese Stellen bei Renovationsarbeiten wegsaniert oder Hohlräume werden durch Insektengitter verschlossen.

Viele Seglerkolonien wurden heimatlos, weil die Gebäude durch Neubauten ersetzt worden sind. Energetische Sanierungen sind natürlich sinnvoll, die Nistplätze lassen sich aber sehr einfach aussen am Gebäude ersetzen und auch bei Neubauten könnten mit wenig Aufwand neue Unterschlüpfe eingerichtet werden. Heute sind die Niststandorte von Seglern und Schwalben gesetzlich geschützt und müssen im Falle einer Sanierung ersetzt werden.

Für Segler macht es keinen Unterschied, ob sich ein Nistplatz an einem alten oder einem neuen, modernen Gebäude befindet und ob dieses Gebäude ein Giebeldach oder ein Flachdach hat. Wichtig ist vor allem ein freier Anflug und für Mauersegler eine Höhe von mindestens 5 m, für Alpensegler 8 m. Solche Stellen eignen sich für das Schaffen neuer Nistplätze, für Ersatznistplätze oder die Erweiterung des Nistplatzangebotes.

Mehlschwalben

Vogel fliegt am blauen Himmel.
Mehlschwalbe im Flug.
© Stefan Wassmer

Die Mehlschwalbe war ursprünglich eine Bewohnerin felsiger Landschaften und nistet heute grösstenteils an Gebäuden und Brücken. In der Schweiz konzentriert sich die Verbreitung auf Dörfer, Weiler und einzelne Höfe, wo Gebäude nebst einer genügenden Überdachung raue Fassaden aufweisen und Nistmaterial oder Kunstnester zur Verfügung stehen. In den Alpen existieren punktuell kleinere Felskolonien. Der Grossteil der Schweizer Mehlschwalben bewohnt Lagen um 400–700 m, sie können aber auch auf über 2000 m aufsteigen.

Bestandesentwicklung

Seit den 1990er-Jahren, als die ersten landesweiten Zählungen gemacht wurden, ging der Bestand an Mehlschwalben in der Schweiz deutlich zurück und schwankt seit den 2000er-Jahren auf tiefem Niveau. Die Abnahme fand vor allem unterhalb von 1000 m statt, insbesondere im Mittelland. Es gab sowohl einem Rückgang der Anzahl Kolonien wie auch der Koloniegrösse. Auch regionale Bestandsaufnahmen zeigen teils deutliche Verluste. In anderen Ländern Europas ist der Trend ebenfalls negativ.

Mehlschwalben in Winterthur

In Winterthur sind über 70 Brutstandorte verteilt über die ganze Stadt bekannt. Oftmals findet man sowohl Kunstnester, wie auch Naturnester. Die Tiere gehören zu den Koloniebrütern. Einzelne Nester sind nur ganz selten. Die aktuellen Standorte können im Stadtplan eingesehen werden.

Der Erhalt der Mehlschwalben in Winterthur ist unter anderem der tatkräftigen Unterstützung der beiden Natur- und Vogelschutzvereine Wülflingen-Veltheim und Winterthur Seen zu verdanken. An einigen Standorten in Winterthur wurden sogar extra «Mehlschwalbenhäuser» aufgestellt mit über 50 Nestern.

Mehlschwalben fördern

Wo natürliches Nistmaterial oder geeignete Fassaden zum Nestbau fehlen, helfen Fördermassnahmen wie Kunstnester, Neststützen oder lehmige Bodenstellen. Zentral für den Fortbestand lokaler Bestände ist aber die Akzeptanz von Hausbewohnern und -besitzern, da immer noch Nester illegal entfernt werden oder bei Renovationen verschwinden. Wichtig sind zudem naturnahe Lebensräume, wo Insekten auch bei schlechtem Wetter verfügbar sind.

Rauchschwalben

Fliegender Vogel am blauen Himmel.
Rauchschwalbe im Flug.
© Stefan Wassmer

Die Rauchschwalbe besiedelt landwirtschaftlich geprägte Lebensräume und brütet in oder an Gebäuden. Meist sind dies traditionelle Ställe mit Vieh, ab und zu aber auch andere Bauten. Als Nahrungsspezialistin braucht die Rauchschwalbe Jagdgebiete, in denen sie auch bei schlechtem Wetter genug fliegende Insekten findet (z.B. Hecken, Obstgärten, Waldränder, Gewässer). Hauptgründe für die arttypischen Bestandsschwankungen sind Schlechtwetterperioden. Zur Brutzeit wirken sich diese grossräumig und synchron auf den Bruterfolg aus, auf dem Zug und im Winterquartier betreffen sie vor allem in Form von Dürren direkt die Überlebensraten der Vögel.

Bestandesentwicklung

Die grossräumige Verbreitung der Rauchschwalbe in der Schweiz hat sich in den letzten 40 Jahren praktisch kaum geändert. Die grössten Dichten finden wir nördlich der Alpen in Höhen zwischen 400 und 800 m. In einigen dieser Gebiete und in weiteren Regionen gleicher Höhenlage haben die Bestände seit 1993–1996 stark abgenommen. Dies bestätigen auch mehrere regionale Bestandserhebungen. Häufig sind davon ehemals ländliche Gebiete um grössere Ballungszentren betroffen. Deutliche Zunahmen beschränken sich auf einzelne Ebenen mit intensiver Grünland- und Weidewirtschaft. Heute dürfte der Schweizer Bestand rund 10–20 % kleiner sein als 1993–1996. Gründe dafür liegen in der sinkenden Anzahl Bauernbetriebe, in der offenen Bauweise moderner Ställe mit freilandähnlichen Temperaturen und Zugluft sowie bei einem geringeren Nahrungsangebot rund um die Brutplätze. Vergleichbare Trends werden auch in den Nachbarländern und in ganz Europa registriert. 

Rauchschwalben in Winterthur

In Winterthur finden wir Rauchschwalbennester vor allem in den eher «ländlich» gelegenen Ställen der Bauernhöfen rund um Winterthur, wie zum Beispiel in Dättnau und Eidberg.

Rauchschwalben fördern

Fördermassnahmen sind das Anbieten von Nisthilfen in geeigneten Gebäuden – Pferdeställe werden hier immer wichtiger! – sowie der Erhalt kleinräumig strukturierter, vielfältiger Landschaften, wo die Rauchschwalbe auch bei schlechtem Wetter genug Nahrung findet.

Mauersegler

Vogel fliegt am klaren blauen Himmel.
Mauersegler im Flug.
© Stefan Wassmer

Der Mauersegler ist der kleinste und häufigste bei uns vorkommende Segler. Er ist mit einer Länge von 16 cm grösser als eine Schwalbe und mit knapp 50 Gramm mehr als doppelt so schwer. Die Mauersegler verbringen den Winter in Afrika südlich des Äquators und sind deshalb etwas später zurück als die Alpensegler, welche «nur» bis südlich der Sahara ziehen.

Die Mauersegler sind vor allem in den Quartieren zu Hause, aber auch im Oberen Graben oder beim Technikum haben sie Nistgelegenheiten gefunden. Eine grössere Kolonie befindet sich im Eulachpark im Dach der Halle 710.

Der Mauersegler ist in Winterthur weit verbreitet und weniger anspruchsvoll als zum Beispiel der Alpensegler. Er ist sehr wendig und nistet auch an kleinen Gebäuden. Die Aussichten für eine spontane Ansiedlung der Mauersegler sind deshalb meistens sehr gut, wenn Sie entsprechende Kästen aus dem Fachhandel in mind. 5 m Höhe aufhängen.

Alpensegler

Ein Vogel fliegt am blauen Himmel.
Alpensegler im Flug.
© Stefan Wassmer

Die Alpensegler mit ihrem weissen Bauch können zwischen Mai und Oktober z.B. bei der Chässtube bei den Archhöfen, bei der Rathausapotheke im Oberen Graben oder beim Technikum an der Technikumstrasse gut beobachtet werden. 

Alpensegler schätzen besonders hohe, markante Gebäude in städtischem Gebiet. Sie sind seltener als Mauersegler, eine erfolgreiche Ansiedlung kann in Winterthur, wo es schon verschiedene Standorte gibt, aber ebenfalls gelingen. Alpenseglerkästen sind kaum im Handel erhältlich und müssen daher gemäss Anleitung selber oder von einer Schreinerei hergestellt werden. Gerne beraten wir Sie, wenn Sie sich für die Installation von Alpensegler-Nistplätzen interessieren.

Segler in Not gefunden: Was tun?

Besonders während sehr heissen Zeitperioden im Sommer kommt es immer wieder vor, dass junge (zum Teil noch nackte) Segler neben einem Gebäude auf dem Boden zu finden sind. Da die Segler ihre Nester oft direkt unter den Dachziegeln haben, wird es den Tieren unter der brütigen Sonne zu heiss. Um nicht bei lebendigem Leibe «gekocht» zu werden, kriechen die jungen Vögel aus dem Nest und stürzen auf den Boden.

Die Tiere können zur Rettung in die Seglerstation nach Rümlang gebracht werden:

Falls selber kein Transport organisiert werden kann, hilft die Stiftung Tierrettungsdienst:

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