Amphibien

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Amphibien in Winterthur
In der Schweiz kommen 19 Amphibienarten vor, von denen neun schon in Winterthur gesichtet wurden. Zu den Amphibien gehören die Schwanzlurche (Salamander, Molche) und die Froschlurche (Unken, Kröten und Frösche). Aller Arten sowie ihre Lebensräume sind in der Schweiz durch das Natur- und Heimatschutzgesetz geschützt.
Amphibien sind perfekt an ein Leben zwischen Land und Wasser angepasst. Amphibien können nicht nur durch die Lunge atmen, sondern ihre dünne Haut erlaubt ihnen auch, Sauerstoff über die Haut aufzunehmen. Amphibien trinken nicht und die Flüssigkeitsaufnahme erfolgt ebenfalls über die Haut. Alle Amphibien sind wechselwarm, sie erzeugen also keine Körperwärme, sondern ihre Körpertemperatur schwankt mit der Aussentemperatur. Im Winter fallen sie in eine Winterstarre. Die meisten Amphibien leben im Verlauf eines Jahres in verschiedenen Lebensräumen. Im Frühling wandern manche Arten zur Fortpflanzung mehrere Kilometer bis zu dem Teich, wo sie geboren wurden.
Wer das komplette Set der Winterthurer Amphibien an einem Ort suchen will, geht am besten ins Totentäli. Besonders im Juni/Juli kann man wunderbar dem Konzert der Glögglifrösche (Geburtshelferkröten) und der Gelbbauchunken im Duett lauschen.

Amphibienwanderung
Einige Amphibienarten leben während einem Jahr an verschiedenen Orten. Im Frühjahr, bei der Fortpflanzung, halten sie sich an stehenden Gewässern auf, wo sie ihren Laich ablegen. Den Sommer verbringen sie in feuchten Wiesen, an Waldrändern oder in Riedflächen und über den Winter verstecken sie sich meist in einem nahe gelegenen Wald. Beim Wechsel vom einen Lebensraum zum anderen legen die Tiere manchmal grosse Strecken zurück. Besonders auffallend ist dies im Frühling, wenn die Tiere vom Winterquartier in die Laichgebiete wandern. Doch oft liegt zwischen diesen zwei Orten eine Strasse, die nicht selten zur tödlichen Falle wird. Diese «Unfälle» können eine Population stark schwächen und langfristig sogar zum Aussterben führen. In solchen Gebieten ist es daher erforderlich, die Population mit Schutzmassnahmen zu erhalten.
Mobile Schutzzäune entlang von Strassen
Am häufigsten werden als Schutzmassnahme Amphibienschutzzäune verwendet. Diese werden im Frühjahr an Konfliktstellen entlang von Strassen aufgestellt und verhindern somit, dass die Tiere auf die Strasse wandern. Freiwillige Helfende sammeln 1-2 Mal pro Tag die Tiere entlang den Zäunen ein und tragen sie über die Strasse. Diese Massnahme wird im Frühjahr angewendet, weil in dieser Zeit viele Tiere zum gleichen Zeitpunkt wandern. Die jungen Frösche, die dann vom Sommer bis in den Herbst einen neuen Lebensraum suchen, können damit aber nicht geschützt werden.

Tunnel und fix installierte Zäune
Eine weitere Möglichkeit sind fix installierte Zäune und Tunnel unter den Strassen. Eine solche Installation hat es in Winterthur zum Beispiel im Häsental bei Sennhof oder im Dättnau. Diese Installationen sind in der Erstellung deutlich teurer, benötigen jedoch nicht jeden Frühling unzählige Helfende für die Überwachung und die Zäune stehen über das ganze Jahr, was auch Arten mit unspezifischen Zugzeiten wie den Feuersalamandern zugutekommt. Eine Schwierigkeit für die Amphibien bleibt: Fressfeinde wie der Graureiher oder der Fuchs entdecken die Tunnels schnell als reich gedeckten Esstisch und gehen bei den Tunnelausgängen gezielt auf Essensfang.
Geschwindigkeit anpassen
Amphibien können insbesondere während der Zugsaison prinzipiell überall auftauchen. Die Stadt stellt an neuralgischen Abschnitten wie z.B. an Waldrändern während der Amphibienwanderung Warnschilder auf mit der Bitte, dass Autofahrer:innen ihre Geschwindigkeit reduzieren sollen. Denn auch wenn ein Frosch nicht direkt unter die Räder eines Fahrzeugs kommt, so platzen bei einer Geschwindigkeit von über 30 km/h die Eingeweide des Frosches durch den entstehenden Druck und er stirbt kläglich.
Statistik
Die Amphibienzahlen schwanken natürlicherweise sehr stark von Jahr zu Jahr. Allfällige Trends bei der Anzahl Amphibien, die an den Zugstellen gefunden werden, können daher nur über einen sehr langen Zeitraum herausgelesen werden.
Zwei Winterthurer Zugstellen, die schon länger durch den Natur- und Vogelschutzverein Winterthur-Seen betreut werden, sind hier exemplarisch gezeigt. An der Zugstelle Ricketwilerstrasse gibt es nur einen Hinzug, bei der Zugstelle Bruderhaus-Eschenberg gibt es in beide Richtungen einen Hin- und Rückzug.
Anzahl geretteter Amphibien an zwei Winterthurer Zugstellen
Wandernde Amphibienarten
In Winterthur werden an den Zugstellen vor allem Erdkröten, Grasfrösche und Bergmolche gefunden.
Erdkröten
Insgesamt dürften Erdkröten (Bufo bufo) vom Verkehrstod am stärksten betroffen sein. In der Schweiz gibt es mehrere Stellen mit 5000 - 8000 Tieren, die im Frühjahr in Massen vom Winterquartier ans Laichgewässer wandern. Die Wanderung läuft im Mittelland im Zeitraum von Mitte Februar bis Ende April und an nicht zu kalten Abenden ab. Grosse Erdkröten-Wanderungen nach 19 Uhr treten ein:
- bei Regen bei einer Lufttemperatur ab 6 °C
- ohne Regen bei einer Lufttemperatur ab 12 °C
Erdkröten wandern sehr langsam und nehmen auf der Strasse im Scheinwerferlicht häufig eine Schreckstellung ein. So benötigen sie zum Überqueren einer 7 Meter breiten Strasse nicht selten 15 - 20 Minuten.

Grasfrösche
Grasfrösche (Rana temporanria) wandern etwas schneller als die Erdkröte, weshalb ein kleinerer Teil auf dem Zug überfahren wird. Auch hier existieren Stellen mit mehreren Tausend wandernden Tieren. Grosse Grasfrosch-Wanderungen nach 19 Uhr setzen ein:
- bei Regen bei einer Lufttemperatur ab 4 °C
- ohne Regen bei einer Lufttemperatur ab 10 °C

Molche
Molchwanderungen sind schlecht erforscht. Grössere Kammmolch-Wanderungen sind nicht bekannt, was aber auch mit dem allgemeinen, starken Rückgang der Art zusammenhängt. Teich-, Faden- und Bergmolche wandern über grössere Strecken und werden oft zu Hunderten beobachtet. Sie sind nicht auffällig und werden von den Motorfahrzeuglenkern und Motorfahrzeuglenkerinnen kaum bemerkt. Sie vermögen Hindernisse wie Fangzäune aus Plastik, Kessel und Mäuerchen zum Teil zu überklettern, so dass sie von den Freiwilligen fast nie vollständig erfasst werden können. Die Frühjahrswanderung verläuft im März bis April, die Rückwanderung vom Laichgewässer ins Sommerquartier von Ende Mai bis September.

Mithilfe bei der Amphibienrettung
An Zugstellen ohne dauerhafte Leitsysteme baut die Stadt Winterthur in Zusammenarbeit mit den Naturschutzvereinen, den Wintirangern und weiteren Freiwilligen während der Amphibienwanderzeit im Frühling mehrere Kilometer Zäune auf. Ein Teil dieser Zäune muss täglich betreut und die Amphibien über die Strasse transportiert werden.
Haben Sie Interesse, während der Amphibienwanderung diesen Tieren zu helfen, so können Sie sich unter untenstehendem Link informieren, wo aktuell Helfer:innen benötigt werden und wer für die Zugstelle zuständig ist:
Falls Sie an einer Zugstelle in Winterthur helfen möchten, dann melden Sie sich direkt per E-Mail: oekologie@win.ch.
Für Schulklassen
Für Schulklassen bietet Stadtgrün Winterthur an geeigneten Tagen ungefähr ab Ende Februar «Amphibienmorgen» (ca. 1 Stunde) an. Dabei kann die Schulklasse die gefundenen Tiere über die Strasse tragen und lernt den Amphibienzug kennen. Bitte melden Sie sich frühzeitig (oekologie@win.ch), um einen Termin und mögliche Ersatzdaten zu vereinbaren (der Amphibienzug ist stark witterungsabhängig). Die Anzahl verfügbarer Termine ist begrenzt.
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