Wildparktiere

Das Ziel des Wildparks ist es, der Bevölkerung die einheimische Tierwelt als Teil unserer Kulturlandschaft erlebbar und begreifbar zu machen, indem einheimische oder ehemals einheimische Wildtierarten in art- und tiergerechten Anlagen gezeigt und die Ansprüche der Wildtiere an ihren Lebensraum vermittelt werden.

Luchs

Ein Luchs sitzt auf einem Holzbrett im Wald.
© Stadtgrün Winterthur

Der Eurasische Luchs ist die grösste Katzenart und das drittgrösste Raubtier, das in Europa heimisch ist. Der Wildpark Bruderhaus hat 1981 das erste Luchspaar aufgenommen. Die Lebenserwartung der Luchse in freier Wildbahn liegt bei 16 Jahren, in Gefangenschaft können sie bis 25 Jahre alt werden.  Jungtiere kommen in den Monaten Mai und Juni zur Welt. Die Fleischfresser sind tag- und nachtaktiv.
Der Luchs wurde im Schweizer Mittelland im 17. Jahrhundert ausgerottet, im Jura und in den Alpen konnte er sich bis Anfang des 20. Jahrhunderts halten. Die letzte Luchsbeobachtung in der Schweiz fand 1909 in der Gegend des Simplon-Passes statt. Seit 1962 ist der Luchs in der Schweiz durch das Jagdgesetz geschützt. Die Schweiz begann Anfang der 1970er-Jahre in den westlichen Alpen und im Jura mit der Aussetzung von Luchsen. 

Wolf

Wolf geht auf Rasen in einem Waldgebiet.
© Stadtgrün Winterthur

Der Wolf ist nach den Bären das nächstgrösste Raubtier, das in Europa heimisch ist. Der Wildpark Bruderhaus hat 2008 das erste Wolfspaar aufgenommen. In Gefangenschaft können die Wölfe bis 17 Jahre alt werden. Jungtiere kommen zwischen März und Juni zur Welt. Die Fleischfresser, die auch Früchte, Reptilien und Insekten fressen, leben im Familienrudel mit einer strengen Sozialstruktur. Nur das männliche und das weibliche Alphatier pflanzen sich fort. Ende des 19. Jahrhunderts war der Wolf in weiten Teilen Europas und in der Schweiz ausgerottet. 1995 wanderten aus Italien die ersten Wölfe wieder in die Schweiz ein.

Wisent

Fünf Wisente ruhen auf sandigem Boden in einem Gehege.
© Stadtgrün Winterthur

Der Wisent ist das schwerste und grösste Landsäugetier. Ausgewachsene Bullen können bis 900 Kilogramm schwer werden. Wisente sind die letzten Vertreter der wildlebenden Rinderarten auf dem europäischen Kontinent. Der Wildpark Bruderhaus hat 1977 das erste Wisentpaar aufgenommen und beteiligt sich seither am Erhaltungszuchtprogramm dieser Art. Wisentbullen können in Gefangenschaft bis 20 Jahre, Kühe bis 26 Jahre alt werden. Jungtiere werden zwischen Mai und August geboren, vereinzelt auch im Herbst und Winter. Die Kühe leben mit ihren bis etwa  3-jährigen Jungtieren in Herden zusammen. Ältere Bullen leben meist als Einzelgänger. Wisente sind sowohl am Tag als auch in der Nacht aktiv. 
Wisente lebten früher in allen Zonen Europas und Asiens mit einem gemässigtem Klima. Jagd, Wilderei und Lebensraumverlust führten Anfang des 20. Jahrhunderts zur Ausrottung der Wisente in freier Wildbahn. Nur 54 Tiere (29 männliche und 25 weibliche) blieben in europäischen Zoos zur Erhaltung der Art übrig. Dank Erhaltungszucht, koordiniert durch ein Europäisches Erhaltungszuchtprogramm (EEP), liegt der Bestand heute wieder bei mehreren Tausend Tieren, die in Zoos und in verschiedenen Schutzgebieten leben. 

Przewalskipferd

Mehrere Wildpferde grasen auf einem offenen Feld vor einem Wald.
© Stadtgrün Winterthur

Bis 1881 ging man davon aus, dass keine Wildpferde mehr existierten. Die Entdeckung des Przewalskipferds ist dem polnisch-russischen Forschungsreisenden Nikolaj Michailovitsch Przewalski zu verdanken. 
Untersuchungen haben ergeben, dass sich das Przewalskipferd vor mehreren Tausend Jahren von den dazumal noch lebenden anderen Wildpferdeformen abgesondert hat. Die Domestikation fand erst viel später statt und beschränkte sich auf Populationen, die nicht der Mongolei entstammten. Demzufolge gehört das Przewalskipferd nicht zu den Vorfahren des Hauspferds.
Der Wildpark Bruderhaus hat 1991 die ersten zwei Przewalskipferde aufgenommen. In Gefangenschaft werden diese bis 34 Jahre alt. Jungtiere kommen zwischen April und Juli zur Welt. Unter der Leitung einer erfahrenen Mutterstute bilden sich Familienverbände, bestehend aus Stuten und ihren Jungen sowie einem Leithengst. 
Die mittelasiatische Steppe war das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Przewalskipferde, bevor die Tiere durch den Menschen immer mehr nach Osten verdrängt und schliesslich ausgerottet wurden. Verschiedene international tätige Stiftungen und Gesellschaften haben geeignete Lebensräume in Asien für die Wiederansiedelung identifiziert. Seit den 1990-Jahren werden Przewalskipferde wieder in freier Wildbahn angesiedelt.

Wildschwein

Wildschwein mit Frischlingen auf steinigem Boden.
© Stadtgrün Winterthur

Seit 1977 leben Wildschweine im Wildpark Bruderhaus. In Gefangenschaft können die Tiere bis 20 Jahre alt werden. Jungtiere kommen zwischen Februar und Mai zur Welt, ein zweiter Wurf ist auch im Spätsommer möglich. Wildschweine sind Allesfresser. Sie haben eine Vorliebe für Eicheln und Bucheckern, durchwühlen den Boden aber auch gerne nach essbaren Wurzeln, Würmern, Engerlingen, Mäusen, Schnecken und Pilzen. Bachen, wie die Weibchen bezeichnet werden, leben mit weiblichen Verwandten und ihren Jungen in Familienverbänden zusammen, den sogenannten Rotten. Die vorjährigen männlichen Jungtiere müssen die Gruppe verlassen. Die meiste Zeit verbringen Wildschweine ruhend. Das Suhlen in nassem, schlammigem Untergrund und das Scheuern an Bäumen hilft ihnen, lästige Parasiten und Insekten abzuwehren. Das Schlammbad bezweckt ausserdem eine Regulierung der Körpertemperatur.
Im 19. Jahrhundert waren die Wildschweine in Mitteleuropa fast ausgerottet. Die Wiederbesiedlung der Schweiz begann Anfang des 20. Jahrhunderts im Jura, im nördlichen Mittelland, im Tessin und im Wallis. 

Mufflon

Mufflonschaf mit zwei Lämmern gehen auf einem Weg im Wald.
© Stadtgrün Winterthur

Unsere Hausschafrassen stammen laut Genuntersuchungen vom Europäischen Mufflon ab. Im Wildpark Bruderhaus leben seit 1990 Mufflons, die in Gefangenschaft bis zu 20 Jahre alt werden können. Jungtiere kommen zwischen März und Mai zur Welt. Ausserhalb der Paarungszeit leben Mufflons nach Geschlechtern getrennt in lockeren Gruppen zusammen, die jeweils von einem älteren Leittier angeführt werden. 

Rothirsch

Zwei Rothirsche stehen im Schnee vor verschneiten Bäumen.
© Stadtgrün Winterthur

Um 1850 war der Rothirsch in der Schweiz durch die rigorose Bejagung und die Abholzung der Wälder beinahe ausgerottet. Es gab nur noch wenige Tiere im Kanton Graubünden. Zwanzig Jahre später wanderte Rotwild vom österreichischen Montafon herkommend wieder in den Kanton Graubünden ein und breitete sich anschliessend im Alpenraum sowie weiter nach Norden und Westen aus. Im Wildpark Bruderhaus leben Rothirsche seit der Gründung des Parks 1891. In Gefangenschaft können die Tiere über 20 Jahre alt werden. Jungtiere kommen zwischen Mai und Juni zur Welt. Die meiste Zeit über lebt das Rotwild in Rudeln. 

Ringelnatter

Ringelnatter auf einem Ast mit grünen Blättern im Hintergrund.
© Stadtgrün Winterthur

In der Schweiz gibt es zwei Ringelnatterarten: Die Nördliche Ringelnatter (Natrix natrix) besiedelt den äussersten Nordosten der Schweiz, die Barrenringelnatter (Natrix helvetica) kann im restlichen Landesgebiet angetroffen werden. Früher war die Ringelnatter im sumpfreichen Schweizer Mittelland die häufigste Schlangenart. Heute ist ihr ehemals weitläufiger Lebensraum auf kleine Restgebiete zusammengeschrumpft. Seit 2021 leben Ringelnattern im Wildpark Bruderhaus. Ihre Körperfarbe variiert zwischen aschgrau über bräunlich bis schwarz, ihre Bauchseite ist bläulich schwarz und weiss gewürfelt. Auffallendstes Merkmal sind die halbmondförmigen hellgelben bis weissen Flecken hinter dem Kopf. Wie alle ungiftigen Schlangen der Schweiz hat die Ringelnatter runde Pupillen. Sie frisst Frösche, Kröten, Molche und Fische und kann bis zu 15 Jahre alt werden. Zu ihren Feinden zählen Greifvögel, Katzen, Marder und Füchse. Ringelnattern sind sehr scheu und fliehen bei der geringsten Bedrohung. Als gute Schwimmerinnen tauchen sie wenn möglich im Wasser ab. Ende Oktober ziehen sich Ringelnattern in ihr Winterquartier zurück. Dazu dienen ihnen Bauten von Kleinsäugern, Hohlräume im Boden oder im Mauerwerk sowie Kompost- oder Grashaufen.

Zauneidechse

Grüne Eidechse auf Baumrinde.
© Stadtgrün Winterthur

Aufgrund des stetigen Rückgangs ihres natürlichen Lebensraums ist die Zauneidechse vom Aussterben bedroht und steht auf der Roten Liste. Im Wildpark Bruderhaus leben seit 2021 Zauneidechsen. Sie werden bis sechs Jahre alt und ernähren sich von Insekten und Insektenlarven. Die Zauneidechse hat eine gedrungene, kräftige Gestalt und einen verhältnismässig kurzen Kopf, wobei Körper und Schwanz in etwa gleich lang sind. Auf ihrer dunkelbraun gefärbten Rückenpartie zeichnen sich zwei helle Streifen ab, schwarze und weisse Punkte – sogenannte Augenflecken – schmücken ihre Flanken. Während der Paarungszeit färben sich Kopfseiten, Vorderbeine und Flanken der Männchen in einem leuchtenden Grün, den Rest des Jahres sind sie eher unauffällig. In der Schweiz ist die Zauneidechse auf der Alpennordseite, einschliesslich dem Wallis, heimisch. Der Schwerpunkt ihrer Verbreitung liegt im Mittelland- Über 1000 Meter Höhe ist sie kaum anzutreffen. Sie liebt trockene, sonnenexponierte Standorte in der Kulturlandschaft. Da diese Lebensräume im intensiv bewirtschafteten Mittelland immer seltener werden, besiedeln die Zauneidechsen vielerorts Strassen- und Uferböschungen, Bahndämme und Gleisflächen. Die Zauneidechse ist ein Tagtier und kann besonders in den späten Vormittagsstunden beobachtet werden. Wie alle Reptilien verzieht sie sich im Winterhalbjahr in lockeren Boden oder Erdspalten, wo sie vor Frost geschützt ist.

Bankivahuhn

Nahaufnahme eines bunten Hahns auf einem Baumstamm.
© © Can Stock Photo Inc. / panuruangjan

Das Bankivahuhn kommt in fünf Unterarten in Indien und Südostasien vor. Die auch als Rotes Kammhuhn bekannte Unterart steht am Anfang der Domestikation der Haushühner und gilt als Stammform aller heutigen Haushuhnrassen. Das Bankivahuhn ist in seinem ganzen Verbreitungsgebiet bedroht. Dies vor allem wegen Wilderei sowie dem Verlust und der Zerstückelung seiner Lebensräume. Die Kreuzung mit Haushühnern stellt eine weitere Bedrohung dar. Im Wildpark Bruderhaus leben seit 2019 Bankivahühner. In den Herden herrscht eine Hackordnung, meist mit mehr als einem Hahn. Die Hühner kommunizieren mit 30 verschiedenen Gackerlauten. Bankivahühner sind tagaktiv und ziehen sich zur Nachtruhe auf Äste in zirka zwei Metern Höhe zurück, um sich vor Fressfeinden zu schützen. Über die Hälfte des Tages wird für die Futtersuche aufgewendet. 

 

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