Biodiversitätsstrategie

Die Biodiversitätsstrategie Winterthur definiert, wie Winterthur die Naturwerte erhalten und entwickeln will – nicht punktuell, sondern als dauerhafte Querschnittsaufgabe in allen Bereichen der Stadtentwicklung, von der Projektierung und Planung der Grünräume bis zu deren Unterhalt.
Warum eine Biodiversitätsstrategie?
Die Vielfalt von Pflanzen, Tieren, Pilzen und Mikroorganismen hat seit der Industrialisierung weltweit deutlich abgenommen. Heute sterben im Vergleich zur vorindustriellen Zeit im gleichen Zeitraum 100 bis 1000 Mal mehr Arten aus – verschärft durch den Klimawandel. Selbst von nicht gefährdeten Arten nehmen Populationsgrössen und Biomasse teilweise signifikant ab – insbesondere aus der Klasse der Insekten, die für das Funktionieren von Ökosystemen zentral sind und die rund 52 Prozent der in der Schweiz bekannten einheimischen Organismengruppen ausmachen. Wegen der fortschreitenden Teilung und Isolierung von Lebensräumen hat seit den 1980er-Jahren auch die genetische Vielfalt innerhalb der Arten weltweit abgenommen.
Auch in der Schweiz ist der Zustand der Biodiversität ungenügend. Er hat sich in den letzten Jahren auf tiefem Niveau stabilisiert. Fläche, Qualität und Vernetzung vieler ökologisch wertvoller Lebensräume sind heute unzureichend. Vor allem im Mittelland sind viele Lebensräume durch Infrastrukturen und Siedlungen fragmentiert, die Böden und Gewässer werden intensiv genutzt und durch Einträge verschiedener Stoffe wie Pflanzenschutzmittel, Biozide oder Stickstoff stark belastet.
Für die Umsetzung von Biodiversitätsfördermassnahmen auf kommunaler Ebene – insbesondere im Siedlungsgebiet – sind die Gemeinden zuständig. Die Biodiversitätsstrategie bildet die Grundlage für die Naturschutz- und Biodiversitätsfördermassnahmen der Stadt Winterthur in den kommenden Jahren. Sie benennt strategische Grundsätze und Ziele sowie Handlungsfelder mit konkreten Umsetzungs- und Kontrollmassnahmen mit Zeitplan.
Vision
Die Stadt Winterthur ist eine Vorreiterin für ein nachhaltiges Miteinander von Mensch und Natur. Der Stadtwald bildet die grüne Lunge der urbanen Landschaft. Durch seine naturnahe Bewirtschaftung ist er ein lebendiger Ort, der die Biodiversität fördert und den Menschen als Raum für Erholung, Bildung, Inspiration und Naturproduktion dient.
Im grünen Umland der Stadt finden Wildtiere und seltene Pflanzen wertvolle Lebensräume, die durch naturgerechte Pflege und wirksame Schutzkonzepte erhalten und gefördert werden. Die stadteigenen Landwirtschaftsbetriebe arbeiten im Einklang mit der Natur und Umwelt. Sie fördern die Biodiversität, bewahren die Bodenfruchtbarkeit und schonen die natürlichen Ressourcen. Sie produzieren gesunde Lebensmittel und schaffen faire Bedingungen für Landwirtinnen und Landwirte. Sie sichern die Ertragskraft auch für kommende Generationen – durch umweltschonende Bewirtschaftung, Kreislaufwirtschaft, innovative Technologien und ein gutes Verständnis der natürlichen Prozesse.
Im Siedlungsraum durchziehen naturnahe Bäche, strukturreiche Wildniselemente, naturnahe und artenreiche Gärten und Parkanlagen, blühende Fassaden, mächtige Bäume, Wildhecken und begrünte Dächer das urbane Gefüge und schaffen vielfältige Lebensräume für Menschen, Tiere und Pflanzen. Selbst im Stadtzentrum finden Wildtiere wie Mauersegler oder Wildbienen ausreichend Nahrung und Nistmöglichkeiten. Die Kinder wachsen hier mit einer Verbundenheit zur Natur auf, lernen deren Bedeutung zu schätzen und tragen diese Werte in die Zukunft.
Die Stadt Winterthur setzt sich aktiv dafür ein, dass die Biodiversität nicht nur geschützt, sondern regeneriert und gefördert wird. Durch innovative Projekte, gemeinsames Engagement und langfristige Planung wird Winterthur zu einem Vorbild für eine nachhaltige, naturverbundene Lebensweise.
Grundsätze
Die Grundsätze der Biodiversitätsstrategie orientieren sich an den Stossrichtungen der Strategie Biodiversität Schweiz und lauten:
- Aufwerten, sichern und vernetzen
- Beobachten, erfassen und bewerten
- Informieren, motivieren und beraten
Strategische Ziele
Das übergeordnete Ziel dieser Biodiversitätsstrategie ist es, bis 2040 die Förderung und den Schutz der Biodiversität in Winterthur nachhaltig zu gewährleisten und dadurch die Erbringung der Ökosystemleistungen für die hier lebenden Menschen, Tiere, Pflanzen und weiteren Organismen zu sichern.
Dazu müssen die bestehenden Naturschutzflächen aufgewertet und erweitert sowie neue Schutzgebiete und weitere ökologisch wertvolle Flächen geschaffen werden. Das zentrale Planungsinstrument für die Biodiversitätsförderung in den kommenden Jahren ist die Ökologische Infrastruktur, also das Netzwerk von Flächen, die für die Biodiversität wichtig sind.

Zehn Ziele sind in der Biodiversitätsstrategie definiert:
- Konzeption und Aufbau einer Ökologischen Infrastruktur (2026–2040)
- Gesamtrevision des kommunalen Natur- und Landschaftsschutzinventars (2028)
- Erfassung der Ökosystemleistungen für die Stadt (2028)
- Aufbau eines Monitoringsystems (2029)
- Ökologischer Ausgleich in städtischen Planungs- und Bauprojekten (2026)
- Biodiversitätsförderung im Unterhalt des städtischen Grundeigentums (2026)
- Biodiversität in kommunalen Planungs- und Rechtsgrundlagen (2035)
- Biodiversität auf Privatgrundstücken fördern (2028)
- Beteiligung der Bevölkerung stärken (2027)
- Beratungsangebote und finanzielle Anreize schaffen (2028)
Handlungsfelder
Die Handlungsfelder ordnen die strategischen Grundsätze und Zielbündel in thematische Cluster. Jedes Handlungsfeld liefert den Kontext, in dem mehrere Ziele und Grundsätze gemeinsam verfolgt werden. Die Handlungsfelder ergeben sich demnach aus der Matrix von strategischen Zielen oder Zielbündeln und Grundsätzen.
Jedes der neun Handlungsfelder besteht aus Zielsetzung, thematischen oder räumlichen Schwerpunkten, Erfolgsindikatoren (KPIs), Zeitrahmen und Meilensteine, Verantwortlichkeiten sowie Annahmen und Risiken.

Erfolgskontrolle
Die Erfolgskontrolle stellt sicher, dass Fortschritte bei der Umsetzung messbar werden, ermöglicht ein frühzeitiges Erkennen von Handlungsbedarf und schafft Transparenz – innerhalb der Verwaltung ebenso wie gegenüber Politik und Öffentlichkeit. Grundprinzipien sind Nachvollziehbarkeit, Vergleichbarkeit über die Jahre, regelmässige Aktualisierung sowie die Beteiligung relevanter Akteure.
Die interne Berichterstattung erfolgt in zwei Stufen:
- Jährlicher Kurzbericht: kompakte Darstellung der wichtigsten Ergebnisse auf 2-4 Seiten, ergänzt durch eine Ampel- oder Trendvisualisierung pro KPI (grün = Ziel erreicht, gelb = teilweise erreicht, rot = nicht erreicht). Neben den Kennzahlen werden zentrale Massnahmen des Berichtsjahres sowie wesentliche Herausforderungen dargestellt.
- Vertiefter Umsetzungsbericht: alle drei bis fünf Jahre erscheinend, mit ausführlicher Analyse, Darstellung der methodischen Grundlagen, Fallbeispielen erfolgreicher Projekte sowie Empfehlungen für die Weiterentwicklung der Strategie.
Für diesen Inhalt zuständig
Stadtgrün Winterthur
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