Gewalt
Was ist Gewalt?
Gewalt umfasst alle Handlungen oder Verhaltensweisen, die Menschen körperlich, psychisch, sexuell oder finanziell schädigen, bedrohen oder in ihrer Freiheit einschränken. Sie kann in unterschiedlichen Lebensbereichen auftreten und ist nicht immer sofort erkennbar. Gewalt zu kennen und frühzeitig zu erkennen ist ein wichtiger Schritt, um sich selbst und andere zu schützen.
Gewalt wird in mehrere Formen unterschieden, die wichtigsten Themen führen wir weiter aus:
- Körperliche Gewalt
- Psychische Gewalt
- Sexualisierte Gewalt
- Häusliche Gewalt
- Finanzielle Gewalt
- Strukturelle Gewalt
- Digitale Gewalt
- Stalking (Nachstellung)
- Hate Crime / Hate Speech
Körperliche Gewalt
Körperliche Gewalt bedeutet: Jemand fügt einer anderen Person absichtlich Schmerzen zu oder verletzt sie körperlich. Die Verletzungen sind nicht immer sichtbar. Grundsätzlich versteht man darunter eine direkte körperliche Einwirkung auf eine Person.
Beispiele für körperliche Gewalt:
- Schlagen, Treten oder Stossen.
- Festhalten oder Wegstossen.
- Würgen oder Ersticken.
- Verbrennen oder Verbrühen.
- Der Einsatz von Gegenständen oder Waffen um jemanden zu verletzen.
Körperliche Gewalt ist strafbar. Sie kann überall vorkommen – zu Hause, im öffentlichen Raum, am Arbeitsplatz oder in Betreuungseinrichtungen.
Melden Sie sich bei der Polizei unter der Nummer 117.
Psychische Gewalt
Psychische Gewalt umfasst Handlungen und Verhaltensweisen, die darauf zielen, einer Person Angst zu machen, sie zu kontrollieren, herabzusetzen oder emotional zu verletzen. Sie hinterlässt oft keine sichtbaren Spuren, kann jedoch das Selbstwertgefühl, die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden erheblich beeinträchtigen.
Beispiele für psychische Gewalt sind:
- Beleidigen oder Demütigen.
- Drohen oder Einschüchtern.
- Kontrollieren oder Überwachen.
- Erpressen oder Manipulieren.
- Ausgrenzen oder Isolieren.
- Wiederholtes Beschimpfen oder Erniedrigen.
Psychische Gewalt kann in Beziehungen, innerhalb der Familie, am Arbeitsplatz, in Schulen oder im Internet auftreten und ist häufig schwer zu erkennen.
Sexualisierte Gewalt
Sexualisierte Gewalt umfasst alle sexuellen Handlungen, die gegen den Willen einer Person erfolgen oder ohne deren Zustimmung stattfinden. Sie verletzt die persönliche Freiheit und die körperliche sowie seelische Unversehrtheit eines Menschen.
Sexualisierte Gewalt hat viele Formen. Dazu gehören unerwünschte Berührungen, sexuelle Handlungen gegen den Willen einer Person, Belästigungen, Drohungen oder das Ausnutzen einer Person, die auf andere angewiesen ist.
Beispiele für sexualisierte Gewalt sind:
- Unerwünschte sexuelle Berührungen.
- Belästigung oder anzügliche Bemerkungen.
- Das Erzwingen sexueller Handlungen.
- Das Ausnutzen einer Abhängigkeit.
- Das Verbreiten von intimen Bildern oder Inhalten ohne die Zustimmung der bildberechtigten Person.
Sexualisierte Gewalt kann Menschen jeden Alters und Geschlechts betreffen. Sie kann im persönlichen Umfeld, in Beziehungen, am Arbeitsplatz, in Betreuungssituationen oder im Internet auftreten.
Häusliche Gewalt
Häusliche Gewalt bezeichnet Gewalt zwischen Personen, die in einer familiären oder partnerschaftlichen Beziehung stehen oder standen. Sie kann innerhalb einer Ehe, Partnerschaft oder Familie sowie zwischen Personen im gleichen Haushalt auftreten.
Häusliche Gewalt umfasst verschiedene Formen der Gewalt und kann sich unter anderem durch körperliche Übergriffe, psychischen Druck (Angst machen), sexuelle Übergriffe, finanzielle Kontrolle oder Vernachlässigung äussern. Sie entwickelt sich häufig schleichend und wiederholt sich oft über einen längeren Zeitraum.
Beispiele für häusliche Gewalt sind:
- Jemanden Schlagen oder Stossen.
- Beleidigungen, Drohungen oder Einschüchterung.
- Kontrolle von Geld oder persönlichem Umfeld.
- Sexuelle Handlungen gegen den Willen einer Person.
- Nicht helfen, obwohl Unterstützung benötigt wird.
Häusliche Gewalt kann Menschen jeden Alters und Geschlechts betreffen und kommt in allen sozialen und kulturellen Schichten vor.
Finanzielle Gewalt
Finanzielle Gewalt bedeutet, dass jemand Geld oder andere finanzielle Mittel nutzt, um eine Person zu kontrollieren, von sich abhängig zu machen oder auszunutzen.
Sie kann dazu führen, dass Betroffene nicht selbst über ihr eigenes Geld verfügen können oder wichtige finanzielle Entscheidungen nicht frei treffen dürfen.
Beispiele für finanzielle Gewalt sind:
- Geld ohne Erlaubnis wegnehmen und nutzen.
- Den Zugang zu Konten oder wichtigen Unterlagen verhindern.
- Bestimmen, wofür eine Person ihr Geld ausgeben darf.
- Eine Person zu Verträgen oder Zahlungen drängen oder zwingen.
- Das Geld oder Eigentum einer Person für eigene Zwecke nutzen.
Finanzielle Gewalt kann besonders bei Menschen die Unterstützung brauchen oder älteren auftreten und bleibt häufig lange unbemerkt.
Strukturelle Gewalt
Strukturelle Gewalt entsteht durch Regeln oder Bedingungen in einer Gesellschaft oder Organisation, die Menschen benachteiligen oder ihre Chancen einschränken. Sie wird nicht immer von einer einzelnen Person ausgeübt, kann aber trotzdem negative Auswirkungen auf Betroffene haben.
Beispiele für strukturelle Gewalt sind:
- Wegen ihres Alters, ihrer Herkunft oder anderer Merkmale haben Menschen nicht die gleichen Chancen.
- Der Zugang zu wichtigen Informationen oder Unterstützung fehlt.
- Strukturen, die die Selbstbestimmung einer Person einschränken.
- Nicht alle Menschen haben die gleichen Möglichkeiten oder erhalten die gleiche Unterstützung.
Strukturelle Gewalt ist oft schwer zu erkennen, da sie nicht immer durch eine einzelne Handlung entsteht. Sie zeigt sich häufig durch wiederkehrende Benachteiligungen oder fehlende Möglichkeiten zur Beteiligung.
Digitale Gewalt
Digitale Gewalt umfasst alle Formen von Gewalt, die über das Internet, Smartphones oder andere digitale Geräte ausgeübt werden. Ihr Ziel ist es, Menschen zu belästigen, einzuschüchtern, zu kontrollieren oder ihnen zu Schaden.
Beispiele für digitale Gewalt sind:
- Menschen über das Internet beschimpfen, bedrohen oder immer wieder belästigen.
- Das Veröffentlichen von persönlichen Informationen oder Bilder ohne Zustimmung.
- Das Überwachen von Online-Aktivitäten.
- Das Verbreiten von falschen Inhalten.
- Das Täuschen oder Ausnutzen von Personen im Internet.
Digitale Gewalt kann jederzeit und überall stattfinden und betrifft Menschen jeden Alters. Die Auswirkungen können für Betroffene sehr belastend sein.
Stalking (Nachstellung)
Stalking bedeutet, dass eine Person einer anderen Person wiederholt nachstellt, sie beobachtet oder gegen ihren Willen kontaktiert. Dadurch können Betroffene sich bedrängt, kontrolliert oder bedroht fühlen.
Beispiele für Stalking sind:
- Immer wieder anrufen, Nachrichten schreiben oder Kontakt suchen, obwohl die Person keinen Kontakt möchte.
- Einer Person nachgehen oder sie heimlich beobachten.
- Unerwünschtes Auftauchen an bestimmten Orten, an welcher sich die betroffene Person aufhält.
- Das Überwachen von Aktivitäten oder Aufenthaltsorten der betroffenen Person.
- Das Versenden unerwünschter Geschenke oder Nachrichten an die Person.
Stalking kann das Sicherheitsgefühl und den Alltag der betroffenen Person stark beeinträchtigen. Sie kann in persönlichen Beziehungen, nach einer Trennung oder auch durch fremde Personen auftreten.
Hate Crime und Hate Speech
Hasskriminalität und Hassrede richten sich gezielt gegen Menschen oder Gruppen aufgrund bestimmter Eigenschaften oder Zugehörigkeiten. Dabei geht es darum, Personen abzuwerten, ihnen Angst zu machen, sie auszugrenzen oder anzugreifen.
Von Hassrede redet man, wenn Menschen oder Gruppen mit beleidigenden oder verletzenden Worten angegriffen werden. Dabei werden oft Vorurteile verbreitet oder bestimmte Personen wegen ihrer Eigenschaften oder Herkunft abgewertet. Hassrede kann im Internet, in sozialen Medien oder auch im persönlichen Umfeld vorkommen.
Hasskriminalität sind Angriffe auf Menschen oder Gruppen, weil sie als anders wahrgenommen werden. Dazu gehören zum Beispiel Bedrohungen, Sachbeschädigungen oder körperliche Gewalt.
Beispiele für Hasskriminalität und Hassrede sind:
- Abwertende oder beleidigende Aussagen über eine Person oder Gruppe.
- Bedrohungen gegen Menschen wegen ihrer Herkunft, ihres Glaubens, ihres Geschlechts oder anderer Eigenschaften.
- Das Verbreiten von Hassbotschaften im Internet.
- Angriffe aufgrund von Vorurteilen.
Hass und Ausgrenzung können Menschen stark belasten und ihnen das Gefühl von Sicherheit nehmen. Ein respektvoller Umgang und das Erkennen solcher Situationen helfen dabei, Ausgrenzung und Gewalt zu verhindern.
Ich erlebe Gewalt, was kann ich tun?
Wenn Sie Gewalt erleben, sind Sie nicht allein. Es ist wichtig, die Situation ernst zu nehmen und sich Unterstützung zu holen. Oft fällt es schwer, über Erlebtes zu sprechen – ein erster Schritt kann jedoch helfen, die eigene Sicherheit zu verbessern.
Sprechen Sie wenn möglich mit einer Person, der Sie vertrauen. Das kann Ihre Familie, Freunde oder andere Vertrauenspersonen sein. Hilfe zu holen ist ein wichtiger Schritt, um Unterstützung und Schutz zu erhalten.
Wenn Sie sich in einer Gefahrensituation befinden, wenden Sie sich an die Polizei oder rufen Sie eine Notfallnummer. Versuchen Sie, sich nicht in Gefahr zusätzlich zu bringen und achten Sie auf Ihre eigene Sicherheit.
Bewahren Sie wichtige Informationen auf, die zeigen können, was passiert ist. Das können zum Beispiel Nachrichten, Bilder oder andere Unterlagen sein.
Niemand hat das Recht, Ihnen Gewalt anzutun. Hilfe und Unterstützung stehen zur Verfügung um einen passenden Weg im Umgang mit der Situation zu finden.
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