Benennung zweier Wege im Eigenheimquartier

Medienmitteilung

Bau und Mobilität

Zwei Querstrassen zwischen Eigenheim- und Schwimmbadweg heissen neu Franz-Scheibler-Weg und Adolf-Kellermüller-Weg. Damit werden die zwei Architekten und Initianten dieser in Winterthur einzigartigen Siedlung geehrt, die in diesem Jahr ihr 100-Jahr-Jubiläum feierte.

Nach dem ersten Weltkrieg herrschte Wirtschaftskrise, Wohnungsnot und Arbeitslosigkeit, auch in Winterthur. Die Stadt sah sich gezwungen, Holzbaracken als Notwohnungen zu errichten und quartierte mehrere Dutzend Familien in Turnhallen, Schulhäusern und Kasernen ein. Genossenschaften trieben den Bau von Wohnungen und auch von günstigen Einfamilienhäusern voran – gerieten dabei aber teils auch in finanzielle Schieflage.

Bei einem Bauprojekt nahe des Schwimmbads Geiselweid kam unter Führung der Winterthurer Architekten Franz Scheibler und Adolf Kellermüller darum ein unkonventionelles Vorgehen zum Zug: Die künftigen Bewohner:innen zahlten zehn Prozent der Bausumme in Form von Mitarbeit beim Bau (rund 900 Stunden). So konnten sich auch einfache Leute ein bescheidenes Eigenheim leisten, da keine Anzahlung nötig war und die fälligen Zins- und Rückzahlungen nur etwa dem Viertel eines Handwerker-Jahreslohns entsprachen. 118 Wohneinheiten entstanden zwischen 1925 und 1928 im Eigenheimquartier. Die Strassennamen des Quartiers (auch «Kolonie Selbsthilfe» genannt) erinnern an die Erstellung durch Handwerkerfamilien: Maurerweg, Schreinerweg, Glaserweg, und so weiter.

Ihre Bauten prägen Winterthur noch heute

Die zwei Väter des Eigenheimquartiers werden nun ebenfalls mit Strassennamen geehrt. Die bisher namenlosen Querstrassen zwischen Eigenheim- und Schwimmbadweg heissen neu Franz-Scheibler-Weg und Adolf-Kellermüller-Weg. Beide Architekten sind Vertreter des neuen Bauens und haben in Winterthur von 1923 bis in die 1960er-Jahre viele Spuren hinterlassen. Zu den Werken Franz Scheiblers (1898 – 1960) zählen die Holzhaussiedlung an der Weststrasse, der Sitz des Milchverbandes beim Bahnhof, das Gartenhotel, das Verwaltungsgebäude des städtischen Elektrizitätswerks an der Unteren Vogelsangstrasse oder das Schulhaus Schönengrund. Gustav Adolf Kellermüller (1895 – 1981) realisierte unter anderem die Siedlung Stadtrain, das Volkshaus (abgerissen), die Gewerbeschule an der Tösstalstrasse und das Wohlfahrtshaus von Rieter in Töss.

Mit einem kleinen Festakt im Beisein von Stadträtin Christa Meier, Vorsteherin Departement Bau und Mobilität, und Nachfahr:innen der geehrten Architekten werden die Strassennamen am Freitagabend, 25. September, offiziell enthüllt. Der Quartierverein beschliesst damit sein 2026 gefeiertes Jubiläumsjahr «100 Jahre Eigenheimquartier». Noch bis Ende Jahr vermitteln vier Tafeln im Quartier weitere Informationen zur Geschichte der Selbsthilfe-Kolonie. Startpunkt ist am Eigenheimweg 1.

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