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Neue Ausstellung im Münzkabinett
Winterthur, 06. Mai 2010 - Am Freitag, 7. Mai, wurde im Münzkabinet die neue Ausstellung «Gold und Silber: Neues Geld im Spätmittelalter» eröffnet.
Das mittelalterliche Europa der Kreuzzüge war auch ein Zeitalter des Wirtschaftsbooms. Grossstädte mit bis zu 200'000 Einwohnern wie Florenz, Mailand und Paris entstanden. In Italien und Flandern existierte ein dichtes urbanes Netzwerk von Siedlungen, dessen Dynamik durch Handwerk, Handel und Krieg angetrieben wurde.
Neue Münzen in Gold und Silber waren das Schmiermittel dieser Wirtschaftsblüte. Die neue Ausstellung im Winterthurer Münzkabinett verfolgt das faszinierende Werden dieses spätmittelalterlichen «neuen Geldes».
In der Zeit um 1200 machte das mittelalterliche Münzwesen einen Quantensprung: Nachdem seit dem 7. Jahrhundert für Münzen nur ein einziges Metall, das Silber, verwendet und nur eine Münzsorte, der Pfennig oder Denar, geprägt worden war, entstand nun neues Geld in Gold und Silber. Es waren Mehrfache des Pfennigs, die allmählich ein eigentliches Münzsystem bildeten.
Zuerst in Italien, später in anderen Gebieten, die wirtschaftlich weit entwickelt waren oder Gold- und Silberbergbau betrieben, wurden neue Münzen geprägt: Der silberne Grosso in Mittel- und Oberitalien und der goldene Genovino in Genua standen am Beginn; zwei weitere Goldmünzen, der Ducato in Venedig und der Fiorino in Florenz wurden zu den wichtigsten dieser Münzen. In Frankreich folgten Silbermünzen wie dem Gros tournois, in Tirol der Zwanziger, in Sizilien der Pierreale und in Böhmen der Prager Groschen.
Diese grosse Vielfalt an neuen Münzen wurde an anderen Orten imitiert und schliesslich selbst übernommen. Eine besondere Rolle spielten die Kreuzfahrerstaaten im östlichen Mittelmeergebiet, denn sie schufen die Verbindungen zur islamischen Welt. Sie beeinflusste das abendländische Geld auch über Sizilien und Spanien direkt.
Im 14. Jahrhundert hatte sich an vielen Orten ein System mit mehreren Münzsorten herausgebildet, die zueinander in einem festen Wertverhältnis standen. Sie bildeten neben dem Pfennig eine regionale, später internationale Oberwährung, an deren Spitze die Goldmünzen standen. In diesem Gefüge war das neue Geld aus Gold und Silber wichtig für politische und kirchliche Zahlungen, im städtischen Umfeld auch für Löhne und Waren.
Erst spät, um 1400, übernahmen die Münzorte im Süden des heutigen Deutschlands, der Schweiz und des Elsass dieses neue Geld. Hier gab es keine grossen Städte und der Münzumlauf war bis um 1400 mit fremden Gold- und Silbermünzen versorgt. Zunächst wurden hier Schillinge und Plapparte in Silber geprägt und gegen Ende des 15. Jahrhunderts auch Gold.
Die Ausstellung des Münzkabinetts zeigt Münzen aus der eigenen Sammlung sowie zahlreiche Leihgaben aus schweizerischen und deutschen Museen. Sie verfolgt das Thema durch Zeit und Raum, von Italien bis Flandern und von der Iberischen Halbinsel bis nach Ungarn. Unter anderem sind fast alle der frühesten Schillinge und Plapparte der Zeit um 1400 im süddeutsch-schweizerischen Gebiet - wohl zum ersten Mal in einer Ausstellung - zu sehen.
Ausstellungsdauer:
8. Mai 2010 bis 25. September 2011:
Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch, Samstag und Sonntag, 14-17 Uhr
Münzkabinett und Antikensammlung der Stadt Winterthur
Villa Bühler, Lindstrasse 8, 8402 Winterthur
Die Ausstellung wird durch ein reichhaltiges Rahmenprogramm mit einem Museumskonzert, Führungen und Workshops für Schulen und einem Leporello begleitet.
| Nächste Veranstaltungen: 11. Mai, 18.30 - 19.00 Uhr 25. Mai, 18.30 - 19.00 Uhr 30. Mai, 10.30 - 12.00 Uhr 8. Juni, 18.30 - 19.00 Uhr 19. Juni, 16.00 - 17.00 Uhr 22. Juni, 18.30 - 19.00 Uhr |
Veranstaltungen und Termine: www.muenzkabinett.org
Abbildungen
Abb. 1 [M 3198R]
Frankreich, Königreich, Ludwig IX. (1226-1270), Gros tournois (ab 1266).
Vorderseite: Zwei Schriftkreise mit dem Königsnamen LVDOVICVS REX (innen) und der Segnungsformel (aussen).
Münzkabinett Winterthur, Inv.Nr. M 3198.
Abb. 2 [M 156V]
Reggio Emilia, Bistum, Niccolò Maltraversi (1211-1243), Grosso (1233-1243).
Rückseite: Lilie; DE REGIO ([Münze] «von Reggio»).
Münzkabinett Winterthur, Inv.Nr. M 156.
Abb. 3 [S 4706V]
Solothurn, Stadt. Plappart (um 1470).
Rückseite: Stehender Heiliger Ursus im Harnisch; SANCTVS VRSVS.
Münzkabinett Winterthur, Inv.Nr. S 4706.
Abb. 4 [M 1V]
Florenz, Republik. Fiorino d'oro (Goldgulden), 1. Hälfte 1330, Münzmeister Aldobrandino di Lapo di Tanaglia. Rückseite: Johannes der Täufer im wollenen Kleid; links oben Münzmeisterzeichen. Münzkabinett Winterthur, Inv.Nr. M 1.
Fotos: Jürg Zbinden, Bern.






